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Kultur & Live

Amerikahaus: Texte, Töne, Menschen

Hamburg. "Die Wüste lebt" und trägt Früchte. Im Amerikahaus geht seit letztem Donnerstag das siebte Festival junger Regisseure und Schauspieler über die Bühne - eine Spielwiese für gewagte und radikale Ideen. Am Mittwoch standen mit "Fluchtpunkt" Orientierungslosigkeit und mit "Fürsprecher" Sprachexperimente auf dem Programm. An der Wand hängt ein riesiger Grundriss der Wohnung. Auf dem schwarzen Boden spiegelt sich diese Zeichnung wider. Dazwischen: ein Bett, das aufgestellt als Kühlschrank dient, und vier junge hoffnungslose Menschen, die zappeln, zittern, weinen und Ecstasy zu Techno-Klängen schlucken. Die Frankfurter Regie-Studentin Ragna Kirck hat sich mit "Fluchtpunkt" ein hartes Milieu-Stück vorgenommen. Zäh zieht sich die Geschichte durch den Abend, untermalt von nervend lauter Musik in hektischen Umziehpausen. Amy (leidend: Rebecca Kirchmann) versorgt ihre behinderte Schwester Nat (Franziska Rieck) und die drogenabhängige Becca (aufgedreht: Hülya Karahan). Amys Liebe zum Herumtreiber Sam (Christian Liveira) scheint ihr ein Fluchtpunkt aus der lästigen Situation. Doch ein Scheitern ist programmiert, weil die Figuren unfähig zur Kommunikation sind. Ebenso experimentell, dazu aber auch noch frech und irrsinnig komisch ist die Performance "Fürsprecher" des 27 Jahre alten Jan-Philipp Possmann. Ein Glücksgriff für das Nachwuchsfestival. Der Theaterwissenschaftler aus Berlin setzt sich in seinem Projekt kritisch mit dem Medium Sprache auseinander. Acht Schauspieler präsentieren sich dem Publikum. Sie reden in Medizinerlatein, Chinesisch, Politikerdeutsch, ostdeutschen Dialekten und in der Sprache der Taubstummen - privat und öffentlich, intim und distanziert. Das Bühnenbild ist auf eine Glühbirne und wenige Stühle reduziert: Nur Menschen, Texte und Töne sind hier wichtig. Und die sind wirklich hervorragend ausgewählt. "Wir wollten über Ihre Befunde sprechen", hört der Zuschauer und glaubt sich nach dem Vortrag des Arztes todgeweiht. Es folgt eine gewollt misslungene Agitationsrede und ein sehr tiefsinniger HipHop. Das lässt hoffen für die kommenden Abende - und auf später.vlipo

 

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