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Kultur & Live

Schachspiele zeigen Erotik und Krieg

Hamburg. Die Geschichte des Schachspiels ist eine der Wanderung von Ideen und Dingen über Kontinente und durch Epochen. Schachspiele und -Figuren, Gemälde und Grafiken gelten bei Kunsthistorikern als facettenreiche Abbildungen menschlicher Regungen, von ihren erotischen Wünschen hin bis zum kriegerischen Wahn. Viele der wenigen erhaltenen Schätze sind jetzt im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen. Anlaß der weltweit einzigartigen Sonderausstellung "Schachpartie - durch Zeiten und Welten" ist der 175. Geburtstag des Hamburger Schachklubs (HSK). Karin von Welck hat sie mit einem profunden Vortrag über Schach eröffnet. "Ihnen ist eine wunderschöne Ausstellung gelungen", dankte Hamburgs Kultursenatorin den Initiatoren Hans und Marianne Krieger.

Für den Brückenschlag in die Moderne sorgt in einem Nebenraum die Hamburger Softwarefirma ChessBase mit ihren Computerprogrammen zum Lernen und Spielen sowie Liveschaltungen zu bedeutenden Turnieren. Schachlehrer und Großmeister des HSK sollen mit Kursen und Trainingspartien Kunstmuffel in die Museumsräume locken. Vormittags können sich Schulklassen die Köpfe beim Schachunterricht zerbrechen. "Das ist eine fabelhafte Idee", sagte von Welck und erinnerte an Goethes Worte vom "Schach als Probierstein des Gehirns" ("Götz von Berlichingen").

Mehr als 400 Exponate, aus zum Beispiel Walroßbein, Perlmutt, Intarsien in seltenen Hölzern, Böttgersteinzeug, Galalith, zeigen die Wandlung des Erscheinungsbilds in den vergangenen 1300 Jahren seit der vermuteten Entstehung im Vorderen Orient. Die ältesten stammen aus dem 8. und 9. Jahrhundert. Der Stil der neuen Zeit wird geprägt durch Arbeiten von Man Ray, Max Ernst, Marcel Duchamp, Victor Vasarely, Max Esser und Paul Wunderlich. Gemälde, Zeichnungen von Alfred Hrdlicka, Horst Janssen und A. Paul Weber, sowie Grafiken, Stiche und Literatur öffnen Phantasie und Augen weiteren Raum.

"Die Interpretationen von Brett und Figuren als Bild der Welt reichen von Kampf und Krieg über geordnetes Zusammenleben der Menschen in Staat und Gesellschaft bis zum Liebesspiel", sagt Hans Holländer. Der Professor für Kunstgeschichte ist wissenschaftlicher Begleiter der Ausstellung. Schach als sublimierte Form des erotischen Kampfes, als Niederlage des Mannes, der weiblichem Charme erliegt, oder ödipale Verstrickungen des mattsetzenden, vatermordenden Schachspielers hat Eingang in die Psychoanalyse Freuds gefunden - und in zahlreiche Darstellungen des Schachspiels.

  • Schachpartie - durch Zeiten und Welten, 6. Mai bis 28. August, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, di bis so 10-18 Uhr, do bis 21 Uhr.rg

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