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Kultur & Live

Brigitte Mira ist tot

Nachruf: Die große Volksschauspielerin Brigitte Mira starb gestern im Alter von 94 Jahren in einem Berliner Krankenhaus.

Hamburg. Geboren wurde sie in Hamburg. Im Jahre 1910. Aufgewachsen ist sie in Düsseldorf. Doch die Tochter eines russischen Konzertpianisten galt als Urberlinerin mit Schnauze. Gestern ist Brigitte Mira, die am 20. April 95 Jahre alt geworden wäre, gestorben.

Brigitte Mira war eine kleine, sehr zarte Frau, die zu den großen alten Volksschauspielern gehörte, die aber irgendwie alterslos schien. Das mag mit ihrem Humor und ihrer Selbstironie zusammenhängen oder auch mit der Offenheit und Neugier, die sie allem stets entgegenbrachte.

Sie hatte schon eine beinahe 45 Jahre dauernde Theater- und Filmkarriere hinter sich, als Peter Zadek sie 1972 ans Bochumer Schauspielhaus für seine Fallada- Revue "Kleiner Mann − was nun?" engagierte. Dort lernte sie Rainer Werner Fassbinder kennen, bei dem sie in den folgenden Jahren einige ihrer großartigsten Rollen spielen sollte. Wer sie einmal als verwitwete Putzfrau gesehen hat, die einen viel jüngeren marokkanischen Gastarbeiter in "Angst essen Seele auf" heiratet und ihn und sich vor allen Anfeindungen bewahrt, der wird diese anrührende, starke Frau und die emotionale Kraft, die sie entfaltet, nicht vergessen können. Für ihre Rolle als Emmi erhielt sie 1974 in Cannes das Filmband in Gold. Diese Trophäe bekam sie 1989 noch einmal für ihr schauspielerisches Gesamtwerk.

Die Anfeindungen der Gesellschaft, denen Emmi in dem Film ausgesetzt ist, kannte auch Mira: In ihrer letzten von insgesamt fünf Ehen war sie mit dem italoamerikanischen Regisseur Frank Guerente verheiratet. Er war 23 Jahre jünger als sie und starb 1983. Aus ihrer dritten Ehe hat sie zwei Söhne. Spät hat sie einmal erklärt, sie würde keinen ihrer Ehemänner noch mal heiraten, "letztlich sind sie alle eine Belastung gewesen". Aber bei einer Gala zu ihrem 90. Geburtstag zeigt sich die Mira schlagfertig wie sooft. "Wie schafft es eine Frau, fünfmal verheiratet zu sein, ohne kochen zu können?" fragte sie damals Talkmaster Alfred Biolek. Mit funkelnden Augen antwortete sie: "Ich hatte eben andere Qualitäten."

Brigitte Mira, die Frau mit den vielen Talenten, hat im Laufe ihres Lebens in unzähligen Filmen gespielt. In Erinnerung bleiben vor allem ihre Rollen in den Fassbinder- Filmen "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel", "Lili Marleen" und den TV-Filmen "Berlin Alexanderplatz" oder "Welt am Draht". "Es war ein wunderbares Leben mit vielen wunderbaren Rollen", sagte sie im letzten Jahr. In mehr als 100 Folgen war sie allein in "Drei Damen vom Grill" zu sehen, einer Serie, bei deren Beginn sie schon knapp 70 Jahre alt war. Ungeachtet ihres hohen Alters ging sie ab 1997 gemeinsam mit Evelyn Künneke und Helen Vita als eine von "Drei alten Schachteln" quer durch Deutschland auf Tournee. In den Jahren danach spielte sie noch Theater, trug Lieder vor oder erzählte aus ihrem Leben. Noch 2004 trat sie in einer TV-Serie und auf den Berliner Bühnen auf.

Eigentlich war Brigitte Mira eine Soubrette, ein Fach, das es schon lange nicht mehr am Theater gibt. Sie konnte singen, tanzen, spielen. Ihr Debüt hatte sie Ende der 20er Jahre in Smetanas "Die verkaufte Braut". Sie war in Bremerhaven, Kiel, Graz und Hamburg engagiert. 1941 ging sie nach Berlin. Sie spielte in Operetten und Musicals, machte Kabarett, wurde als Komödiantin in Spielfilmen besetzt.

Brigitte Mira zählte neben Harald Juhnke, Günther Pfitzmann, Wolfgang Spier oder Edith Hancke zu jenen typischen Berliner Nachkriegsschauspielern, die den Boulevard prägten. Aber ihr Können und ihre Vielseitigkeit hoben sie weit darüber hinaus.

 

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