Abenteuer Alltag?
1000 Folgen und kein Ende: Die "Lindenstraße" feiert
Hamburg. "Nichts ist aufregender als der Alltag", verspricht das Erste auf Plakaten, die für die 1000. Folge der TV-Endlos-Soap "Lindenstraße" an diesem Sonntag werben.
Es könnte auch heißen: Hollywood ist überall. Selbst in Köln-Bocklemünd, dem Drehort der Endlos-Soap, lassen sich zwischen Eichen-Schrankwand, der Blockwartin im Parterre und dem Griechen an der Ecke dramaturgische Fünkchen schlagen - was die Inhaltsangabe einer x-beliebigen Folge (85) im Jubiläumsbuch veranschaulicht: "Meike wurde neben Henny beigesetzt. Franz fühlt sich leer, sein Leben erscheint ihm sinnlos. Tanja bietet an, sich mehr Zeit füreinander zu nehmen. Von Joschi will Philo erfahren haben, daß Meike im Himmel ist. Die beiden wollen den verschollenen Sohn suchen. Während des Fernsehabends meint Philo, in einem russischen Kapitän ihren Sohn Paul zu erkennen."
Bei soviel Wirrnissen bleibt nur auf dem Laufenden, wer immer dabei und mit dem 50köpfigen Hauptpersonal quasi per du ist - immerhin ein Stammpublikum von 4,8 Millionen Zuschauern. Die patente Mutter Beimer alias Marie-Luise Marjan kennt das Erfolgsrezept: "Die ,Lindenstraße' zeichnet aus, daß sie alle Themen, die das Leben bewegt, aufgreift."
Das sieht dann so aus, daß im Mikrokosmos der TV-Straße nichts unbehandelt bleibt: Aids-Tod, Fremdenhaß, Neonazis, Homosexuellenehe. Schicksale werden im Zeitraffer abgewickelt - ein folgenreiches Beispiel von 1988: "Klausi Beimer hantiert mit einem Luftgewehr. Er trifft Nossek, der daraufhin erblindet. - Tennislehrer Nossek kommt bei einem Autounfall ums Leben. - Bianca ist von Nossek schwanger, sie will eine Abtreibung."
Tröstlich, daß Mutter Beimer auch derart abenteuerliche Plots einzuordnen weiß: "Das ist natürlich aufregend, spannend zu spielen." Aber: "Viel mehr Kraft kostet es, den Alltag zu spielen. Wenn man nur zur Tür hereinkommen und irgendwas erzählen muß - und man innerlich sagt, also Gott, so aufregend ist das nicht." Damit können sogar diejenigen etwas anfangen, die die "Lindenstraße" nur vom Wegzappen kennen.





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