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Kultur & Live

Harald Schmidt: Frisch rasiert in den Regelvollzug

Köln. Wahrlich ein Glückspilz. dieser Harald Schmidt. Nicht auszudenken, wenn er mit seiner Show in der ersten Januar-Woche hätte starten müssen. Ganz Deutschland im Bann der verheerenden Flutwelle in Südasien - schlechte Zeiten für Humoristen. Aber da die Halbwertzeit selbst für solche Katastrophen keine drei Wochen beträgt, konnte Schmidt gestern vergleichsweise entspannt seinen Regelbetrieb im Ersten aufnehmen. Frisch rasiert und das Haar ordentlich gestutzt, nahm er Platz und gab sich zunächst überaus politisch. Anläßlich der heutigen, zweiten Amtseinführung von George W. Bush ("Dresscode: Smoking und Cowboystiefel!") witzelte Schmidt, daß dessen erste Dienstreise vermutlich in den Iran gehen werde. ("Iran - nicht verwechseln mit dem Irak. Da sind die Amerikaner schon.") Auch Bushs Außenministerin und Brahms-Fan Condoleezza Rice bekam ihr Fett weg: Die von ihr als "Vorposten der Tyrannei" ausgemachten Länder würden demnächst vermutlich einfach "zugebrahmst".

Da war deutlich der Wille zum kabarettistischen Biß erkennbar, aber die gewohnt souveräne Lockerheit wollte sich lange nicht einstellen. Auch das Geplänkel mit Beisitzer Manuel Andrack nahm sich gestern eher wie Dienstgespräch aus. Erst als Schmidt die hohe Politik verließ und sich Themen wie dem neuen Airbus ("Unterstützen Sie unsere Wirtschaft! Bestellen Sie sich einen!") und dem Dioxin im Hühnerei ("Die Geschichte der Käfighaltung muß neu geschrieben werden.") zuwandte, blitzte Lust am höheren Nonsens wieder auf. Da hatte er dann wertvolle Tips für von allerlei Ängsten geplagte Endverbraucher parat. Gegen angeblich drohenden Meteoriten-Einschlag empfahl er: "Jalousien runter! Auch tagsüber!" Insgesamt war die erste Schmidt-Ausgabe im Regelvollzug noch nicht der große Wurf. Aber das wird sich bessern.

 

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