TV-Kritik

Do Swidanja (Mittwoch, ARD)

Bitter, sehr bitter die Bilanz, die ARD-Korrespondent Udo Lielischkies nach fünf Jahren in Rußland zog. Er summierte noch einmal Momente seiner kritischen Reportagen über Alltag und Probleme im russischen Riesenreich. Die beharrliche Wunde: der brutale Krieg in Tschetschenien, auch gegen Frauen und Kinder. Das immerwährende Wunder: die Überlebenskunst russischer Menschen, etwa der Fischer und Fallensteller in der Nord-Taiga. Lielischkies' Stärke (wie bei seinem Vorbild Gerd Ruge) ist das Gespräch mit einfachen Menschen. Mutig seine Recherche über die Verfolgung und Ermordung oppositioneller Journalisten. Zwar ist die Auswahl der Schauplätze und Storys subjektiv, doch zeigt sie, wie sich Präsident Putins "Demokratisierung" auswirkt - mit verhängnisvoller Tendenz zu Cliquenwirtschaft, mafiosen Strukturen, staatshöriger Justiz. Ein bedrückendes Rußland-Mosaik.Günther Wolf