Ein Glanzstück unter den Orgeln
Die "Zeit"-Stiftung hat ein Programm zur Rettung historischer Orgeln initiiert. Heute stellen wir zum letzten Mal ein Instrument vor, das Sie besuchen und hören können.
Parchim. Friedrich Friese gehört zu den großen Orgelbaumeistern des 19. Jahrhunderts. Im Zeitraum zwischen 1855 und 1896 lieferte seine Schweriner Werkstatt etwa 110 Instrumente sehr unterschiedlicher Größe, deren gemeinsames Merkmal ihre exzellente handwerklich-technische Ausführung ist. Auch hinsichtlich der Intonation konnten Frieses Orgeln stets überzeugen, vor allem, weil jede von ihnen über einen spezifischen und unverwechselbaren Klang verfügte. In der Parchimer St. Georgenkirche, einer beeindruckenden gotischen Halle aus dem 13./14. Jahrhundert, baute Friese 1871 eines seiner größten Instrumente - ein Glanzstück unter den historischen Orgeln in Mecklenburg. Wer sich vor vier Jahren das Innere dieser Orgel ansah, musste aufpassen, nicht in einen von vielen wassergerfüllten Töpfen zu treten, die überall als Luftbefeuchter aufgestellt waren. Den Prospekt hatte man oben mit einer Plastikfolie abgedeckt, um das stark beschädigte Werk wenigstens vor Staub zu schützen. Der Kirchgemeinderat von St. Georgen und ein eigens gegründeter "Förderverein Friese-Orgel" ließen 1998 ein Gutachten erstellen, in dem eine "konsequente Restaurierung" empfohlen wurde. Technisch kein Problem, dafür aber finanziell. Erst mit der Aufnahme in das "Zeit"-Stiftungs-Förderprogramm wurde eine Restaurierung möglich, die - regelmäßige Wartung vorausgesetzt - nun weitere 100 Jahre Funktionsfähigkeit garantieren soll. Nachdem Stiftungsmittel in Höhe von 46 000 Euro bewilligt waren, konnten die Orgelbaumeister Kristian Wegscheider in Dresden und Andreas Arnold im mecklenburgischen Plau mit der Restaurierung beauftragt werden. Im Herbst 2001 waren alle Arbeiten vollendet, so dass die Friese-Orgel mit einer Festwoche wieder eingeweiht werden konnte. "Diese restaurierte Orgel wird mit ihrem Klingen die Gottesdienste bereichern und für die Kirchenmusik in der Stadt zunehmend an Bedeutung gewinnen. Denn nun tritt unweigerlich die internationale Fachwelt auf den Plan, und das bleibt in der Stadt nicht unbemerkt und ohne positive Folgen", meint der Orgelsachberater Wolfgang Leppin. Nach eineinhalbjähriger Dauer ihres Förderprogramms hat die "Zeit"-Stiftung inzwischen eine Zwischenbilanz gezogen: 33 gefährdete Orgeln in Mecklenburg-Vorpommern konnten aufgenommen werden, 16 wurden bereits restauriert. Dabei reicht das Spektrum von der noch aus der Renaissance stammenden Truhenorgel in Schloss Griebenow bis zur hochromantischen Friese-Orgel in Malchin. Aber mindestens acht weitere, nicht im Programm berücksichtigte Orgeln müssten nach Ansicht von Fachleuten in der nächsten Zeit dringend restauriert werden, darunter die Winzer-Orgel in Schönberg und zwei hochklassige Barock-Instrumente in Warlitz und Dreilützow. Dafür wären etwa 400 000 Euro notwendig, knapp halb so viel, wie die "Zeit"-Stiftung insgesamt zur Verfügung gestellt hat. "Unsere Mittel sind verbraucht, vielleicht schließen sich aber noch andere Stiftungen und Orgelfreunde unseren Bemühungen an", meint Projektleiter Philipp Adlung, der noch hinzufügt: "Es wäre schade, wenn wir so kurz vor dem Ziel die Akten schließen müssten, denn eine zweite Chance wird es für die einzigartige Orgellandschaft in Mecklenburg-Vorpommern wohl nicht geben." . "Stunde der Orgelmusik" an der Friese-Orgel am 28. Juni, 26. Juli, 30. August und 27. September jeweils 21-21.30 Uhr, Infos zu weiteren Konzerten bei Kirchenmusiker Fritz Abs Tel. 03 87 1 / 60 68 43













