Schmidt hat so'n Bart
Premiere: Der Lästerer ist zurück in der ARD.
Köln. Am Ende war es doch nur Harald Schmidt, der da aus den Kulissen seines neuen Studios spazierte. Was durchaus erstaunlich war. Denn nach dem ganzen Medienrummel im Vorfeld seiner neuen Sendung durfte man ja geradezu den Messias oder doch zumindest den Erlöser des deutschen Fernsehens erwarten. Doch ja, es war nur Harald Schmidt. Selbst wenn er mit weißem Wallehaar und Vollbart schon ein wenig wie eine Kreuzung aus dandyhaftem Alm-Öhi und Gottvater (mit Tendenz zu Harry Rowohlt) daherkam. Aber nach einem witzig gemeinten, staatstragenden Vorspann ("Hier ist die ARD mit Harald Schmidt") machte Ex-Dirty-Harry genau da weiter, wo er auf den Tag genau vor einem Jahr bei Sat.1 aufgehört hatte. Hier ein paar Frotzeleien über die neue Frisur ("Hab' mich dem Druck der ARD gebeugt, damit Netzer endlich mal Ruhe hat.") und seine Auszeit ("Ich hatte noch 52 Wochen Resturlaub."), da ein bißchen Politik. Wobei er die Steilvorlage um Laurenz Meyer ("Das Thema ist durch") souverän ignorierte und sich lieber der Website von dessen Nachfolger Volker Kauder widmete. Die allerdings kaum Amüsantes hergab.
Überhaupt war bei diesem vorweihnachtlichen Aufgalopp noch längst nicht alles Gold. Für die Zote "Ich dachte, das wäre der Arsch von Anouschka Renzi" (zu einem Foto von Desiree Nick) würde man Anke Engelke verreißen. Und die Einspieler aus alten "Tagesschau"-Ausgaben wollten so wenig zünden wie die Spitzen gegen Gottschalks Rückkehr nach Deutschland ("Hauen Sie ihm auf den Bentley, wenn Sie ihn treffen. Der freut sich."). Natürlich setzte Schmidt auch gelungene Pointen. So alberte er beim Erinnerungstest "Fit für Deutschland" zu einem Foto von Elton und Sonya Kraus aus der Soap "Die Alm": "Ah, Professor Helmut Thoma ist zu seiner Frau zurückgekehrt."
Fürs erste war es eine schöne Bescherung am Vorweihnachtsabend: Der Messias erschien als Mensch. Alles weitere wird sich vom 19. Januar an zeigen.




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