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Kultur & Live

Bücherhallen beschließen Reformkonzept

Hamburg. Die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen (HÖB) gehen in die nächste Reformrunde: Der Stiftungsrat hat gestern beschlossen, die Umstrukturierungs- und Sparmaßnahmen der Expertenkommission unter Vorsitz von Ex-Kultursenatorin Helga Schuchardt umsetzen zu wollen. Der Auftrag an den Vorstand, diesen Empfehlungen zu folgen, war einstimmig. Damit kommt auch das - bereits vorab bekanntgewordene - Aus für die Bücherhallen in St. Pauli, Dulsberg und Stellingen; die drei Standorte sollen zum 1. Februar 2005 geschlossen werden.

Der Mietvertrag für Blankenese soll im Laufe des nächsten Jahres gekündigt werden, das dortige Medienangebot soll zwischenzeitlich Iserbrook und Rissen verstärken, mittelfristig ist an einen gemeinsamen Standort am Blankeneser Bahnhof gedacht. Auch in Sasel wird der Mietvertrag, der bis Ende 2005 läuft, gekündigt, um einen gemeinsamen Standort mit Poppenbüttel in der Nähe des Alster-Einkaufs-Zentrums zu bilden. Lurup und Osdorf sollen zu einer größeren Einheit im Elbe-Einkaufs-Zentrum fusionieren.

Von grundlegender Bedeutung für die Solidität des Reformkonzepts wird die Einnahmeseite sein. Deswegen soll bis zur nächsten Stiftungsratssitzung im März 2005 ein neues Gebührenmodell erarbeitet werden. Darin soll auch eine Ausleihgebühr für audiovisuelle Medien vorgesehen sein - ein Schritt, den man in der Belegschaft, bei allem Verständnis für die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen, nur zähneknirschend hinnimmt, weil er für wenig progressiv gehalten wird.

Während die offizielle Sprachregelung von Kultursenatorin Karin von Welck und HÖB-Chefin Hella Schwemer-Martienßen sehr um Harmonie bemüht und durch Konsens-Appelle geprägt ist, verbergen sich einige absehbare Probleme, wie so oft, im Kleingedruckten: Bücherhallen sollen zwar zusammengelegt werden, Öffnungszeiten in den entsprechenden Standorten sollen erweitert werden. An Neueinstellungen wird deswegen allerdings nicht gedacht, sondern - neben Ehrenamtlichen - auch an den verstärkten Einsatz von kostengünstigen Hilfskräften, die langfristig die Personaldecke weiter ausdünnen könnten.

Andererseits jedoch wird durch eine Absichtserklärung der Kulturbehörde eine vor allem für die Belegschaft wichtige Fundamentschicht in die Rechnung mit vielen Unbekannten eingezogen: Die anstehenden und unausweichlichen Tarifsteigerungen bei den Personalkosten sollen durch die Kulturbehörde aufgefangen werden.

Die Kultursenatorin sprach davon, man wolle sich für langfristige Planungssicherheit einsetzen, andererseits jedoch soll das System HÖB ein "dynamisches Wesen" sein, das wendig und flexibel auf Probleme reagiert. Ein klassischer Widerspruch. Also bleibt die Vermutung: Das Ende der Debatte ist noch nicht erreicht. (jomi)

 

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