Montag, 13. Februar 2012, 22:46

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kultur & Live

Drei Bücherhallen müssen schließen

HÖB-Sparpläne: Kultursenatorin Karin von Welck stellte den Bericht der unabhängigen Expertenkommission vor

Hamburg. Die Bibliotheken St. Pauli, Dulsberg und Stellingen werden den aktuellen Sparmaßnahmen bei der Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen (HÖB) zum Opfer fallen. Zwar hat die von der Kulturbehörde eingesetzte unabhängige Expertenkommission unter Leitung der früheren Kultursenatorin Helga Schuchardt durch einen Mix von Sparmaßnahmen versucht, soziale Härten zu vermeiden, doch die drei kleinen Bücherhallen sollen wegen schlechter Auslastung geschlossen werden.

Kultursenatorin Karin von Welck stellte gestern den 52seitigen Kommissionsbericht vor, in dem untersucht wird, wie die HÖB die Reduzierung ihrer Subvention (aktuell 25,2 Millionen Euro jährlich) um 900 000 Euro verkraften kann. Die wichtigsten Maßnahmen: Einnahmen sollen durch Zusatzgebühren für audiovisuelle Medien sowie erhöhte Versäumniszuschläge steigen. Es wird erweiterte Öffnungszeiten geben. Die Zusammenarbeit mit Schulen soll noch intensiviert werden: Die Zahl der Klassenführungen pro Jahr soll von 1800 auf 3200 anwachsen. Dafür sind zusätzliche ehrenamtliche Kräfte eingeplant: zur Zeit arbeiten 44 Ehrenamtliche in den Bücherhallen.

Neben den drei Schließungen empfiehlt die Kommission die Verkleinerung der Bücherhallen Mümmelmannsberg, Steilshoop und Jenfeld zu sogenannten "ortsnahen Familienbüchereien" nach dem Beispiel der kleinen, stark frequentierten Bücherei Dehnhaide. Zudem soll es Einspareffekte durch Zusammenlegungen geben: Lurup und Osdorf sollen in einer größeren Einheit im EEZ aufgehen, Rissen, Iserbrook und Blankenese durch eine Stadtteilbibliothek am Blankeneser Bahnhof ersetzt werden, Sasel und Poppenbüttel durch eine neue Bibliothek in der Nähe des AEZ.

Unmittelbare Wirkung erhofft sich die Kulturbehörde von den Gebührenerhöhungen: "Wir rechnen mit zusätzlichen Einnahmen von 150 000 Euro im ersten und weiteren 490 000 im zweiten Jahr", sagt Staatsrat Detlef Gottschalck. Die Einspareffekte dagegen dürften erst mittelfristig Wirkung zeigen, denn aus einigen Mietverträgen werden die HÖB nicht sofort herauskommen. Zudem müssen für die Einrichtung neuer Standorte zusätzliche Mittel aufgebracht werden. Die Entscheidung über das Maßnahmenpaket fällt am 9.12. im Stiftungsrat.

Um das System HÖB zukunftsfähig zu machen, werden zudem erhebliche Investitionsmittel für ein Selbstverbuchungssystem bereitgestellt, das schon 2006 in der Zentralbibliothek installiert wird. Allein dafür sind zunächst 1,7 Millionen Euro vorgesehen.

Kultursenatorin Karin von Welck betonte, daß der Maßnahmenkatalog der Kommission in enger Zusammenarbeit mit der HÖB-Leitung entstanden sei: "Es gab großen Konsens." Schuchardt wiederum war beeindruckt, von der Funktionsfähigkeit des Systems HÖB. Dennoch: "Es ist nichts so gut, als daß es nicht noch besser werden könnte." Die Arbeit der Kommission sieht sie als hilfreich für die HÖB-Leitung an, weil Modernisierungsmaßnahmen wie beispielsweise die Zusammenlegungen im Westen und Norden beschleunigt werden, die schon vor Jahren von der Geschäftsführung geplant worden seien aber nicht durchgesetzt werden konnten. Eines aber, so Schuchardt, könnten die HÖB nicht leisten: "Bibliotheken sollen einen Bildungsauftrag erfüllen, aber keine Sozialarbeit leisten."

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus

Weiterführende Links