Die brauchen alle eine Therapie
Gunter Gerlach über seine Krimi-Helden und sein neues Schwarzes Heft
Hamburg. Dieses verschmitzte Lächeln in den Mundwinkeln, dieses spitzbübische Blitzen in den Augen. Als wäre Gunter Gerlach jener Schalk, der gemeinhin im Nacken sitzt. Der nichts wirklich ernst nimmt, weil er genau weiß, daß ohne Humor alles nichts ist.
Dabei gilt das Bücherschreiben hierzulande generell als ernste Angelegenheit. Und Gunter Gerlach, 1941 in Leipzig geboren, hat viele Bücher geschrieben. Kriminalromane zumeist, jedoch keine, die dem schlichten Täter-Opfer-Prinzip folgen, keine klassischen whodunits. Gerlachs Helden sind Antihelden, deren Wahrnehmung der Wirklichkeit ein wenig verschoben ist, so daß die Sicht auf die Dinge eine andere wird - wie der Allergiker Bartzsch, der seinem Autor den "Deutschen Krimipreis" bescherte, oder der Gelegenheitseinbrecher Jakob Vogelsang.
Oder wie der Familientherapeut Harry Willich in Gerlachs neuem Schwarzen Heft "Bergedorfer Therapie". Willich hat sich gerade sein Traumhaus am Neuengammer Hausdeich gekauft, als er in einem Kanal eine Leiche treiben sieht. Woraufhin Therapeut Willich gewisse Zwangsvorstellungen entwickelt, während er den Fall zu klären versucht. "Das schräge Personal meiner Bücher braucht durchweg eine Therapie", analysiert Gerlach. "Aber natürlich schicke ich sie normalerweise nicht zum Therapeuten, denn ihr Irrsinn macht meine Geschichten ja gerade interessant." So wie die Figur des Therapeuten: Willich sieht fortan Leichen allerorten. Und von des Rätsels Lösung wird auch er überrascht.
Daß Gerlach auf diese Geschichte gestoßen ist, ist kein Zufall. Einige seiner Freunde sind Therapeuten. Und manchmal, so mutmaßt der Autor, versuchten sie wohl gar, ihn heimlich zu therapieren. Was ihm durchaus logisch erscheint. "Selbstverständlich bin auch ich nicht normal. Der normale Mensch sieht fern, pflanzt sich fort, aber er schreibt keine Bücher." Zumindest nicht solche, wie Gunter Gerlach sie schreibt. Denn sie sind die Heimat des Grotesken, des spöttischen Blicks auf die Welt. Man schaue dem Autor nur in die Augen. Es blitzt darin.
Gunter Gerlach: "Bergedorfer Therapie". Schwarzes Heft, 63 S., 3 Euro.



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