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Kultur & Live

"Ich spiele nicht mehr mit"

Bekenntnisse: Robert Stadlober, der Star aus "Sonnenallee", über erste Küsse, seinen neuen Film und schlechte Erfahrungen am Schauspielhaus.

Hamburg. Bereits in "Crazy" hat Robert Stadlober (22) bewiesen, wie einfühlsam er den Schmerz der Jugend auf die Leinwand bringen kann. In "Trainspotting" und "Romeo und Julia" kämpfte er auf der Schauspielhaus-Bühne mit dem Leben, der Liebe und der Kritik - und zeigt in seinem neuen Film "Sommersturm" erneut berührende Innenansichten einer pubertierenden Seele. Als junger Ruderer Tobi verliebt er sich in seinen Schulfreund Achim - und hadert in einem Sommercamp am See mit tosenden Gefühlen und seinem Coming-out.

ABENDBLATT: Was hat Ihnen besonders an dem Drehbuch zu "Sommersturm" gefallen?

ROBERT STADLOBER: Eindeutig das Thema und dass ein Mainstream-Film es so sensibel behandelt. Weil das eine Chance ist, Jugendlichen Mut zu machen, sich nicht vorschreiben zu lassen, wen sie lieben sollen, sondern einfach den zu lieben, den sie halt lieben. Wenn der Film das bewirken könnte, wäre es schön.

ABENDBLATT: Es gibt eine wirkliche Gänsehaut-Szene in "Sommersturm". Da müssen Sie sich beim Tanzen überwinden, ein Mädchen zu küssen - und es ist ein Wechselbad der Gefühle. Wie stellen Sie solche Intensität vor der Kamera her?

STADLOBER: Das passiert einfach, wenn die Umstände perfekt sind und ich mich in die Situation hineinfühlen kann. Bei mir hat das ganz viel mit Konzentration zu tun und mit Musik. Ich mache mir richtige Listen für jeden Film und habe für jede Szene meine Songs dabei. Ich setzte mir dann die Kopfhörer auf und blende das ganze Chaos am Set aus, höre mir die Musik an und versuche mich dabei an Dinge zu erinnern, die bei mir ähnlich waren. Anschließend bemühe ich mich dann, diese Stimmung heraufzubeschwören. Das ist bei mir immer der Versuch, wirklich echte Gefühle zu fühlen.

ABENDBLATT: Sie haben Hamburg verlassen. Warum?

STADLOBER: Ich war zwei Jahre hier, mein Mietvertrag lief aus, und eigentlich ist das auch so mein Rhythmus. Außerdem wollte ich nach Österreich zurück, speziell nach Wien. Da wohnt nämlich meine Freundin.

ABENDBLATT: Sie haben sehr jung angefangen zu schauspielern. Da gab es am Anfang doch sicher Situationen, die Sie spielen mussten, obwohl Sie sie selbst noch gar nicht erlebt haben.

STADLOBER: Allerdings. Meinen ersten Kuss habe ich vor der Kamera bekommen. Natürlich habe ich vorher so getan, als hätte ich das schon tausendmal gemacht. Aber ich hatte tatsächlich vorher noch nie ein Mädchen geküsst, immer nur daran gedacht und eigentlich nie wirklich damit gerechnet, dass es mal passieren würde.

ABENDBLATT: Das war doch dann perfekt zum Üben.

STADLOBER: Die Frau war einen Kopf größer, und ich habe totale Angst vor ihr gehabt. Ich war gerade mal 13 und sie hat mir sofort die Zunge in den Hals gesteckt, das war richtig hart (lacht).

ABENDBLATT: Dabei sind die ersten Küsse im Film ja eigentlich immer viel besser als im wirklichen Leben, weil sie viel langsamer sind .

STADLOBER: Ah nee, bei mir sind sie so eigentlich auch immer sehr langsam. Schon allein, weil ich Angst habe und mich erst mal gar nichts traue. Man weiß ja nicht, ob es wirklich schon so weit ist, ob man schon küssen darf, und dann macht man das erst mal ganz vorsichtig. Das ist aber immer der Hammer, das Schönste eigentlich.

ABENDBLATT: Sie haben mal gesagt "wenn es mir richtig gut geht, bin ich richtig schlecht beim Spielen".

STADLOBER: Ja, total. Dann bin ich abgelenkt und habe keine Lust, traurig zu sein. Aber wenn ich sowieso traurig bin, kann ich auch traurige Szenen spielen. Dann ist es einfacher, an die Gefühle heranzukommen, weil sie näher an der Oberfläche sind. Wenn ich gut drauf bin, dann habe ich keine Lust zu heulen.

ABENDBLATT: Aber es gibt ja nicht nur traurige Szenen.

STADLOBER: Aber ich definiere mich vor allem über die traurigen Szenen. Alles andere kann ich nicht wirklich gut. Ich kann eigentlich nur gut traurig sein (lacht).

ABENDBLATT: Sie haben in "Trainspotting" und "Romeo und Julia" erstmals am Theater gespielt. Hat das Ihre Arbeit verändert?

STADLOBER: Total. Weil man beim Theater so wahnsinnig viel improvisiert und dadurch Sicherheit bekommt. Als ich noch kein Theater gespielt habe, habe ich mich schon sehr am Text und an dem Drehbuch festgehalten. Jetzt kann ich freier spielen.

ABENDBLATT: "Romeo und Julia" wird ja am Schauspielhaus in Hamburg vor ausverkauftem Haus gespielt.

STADLOBER: Ja, aber jetzt ohne mich. Ich habe gekündigt, ich spiele nicht mehr mit.

ABENDBLATT: Obwohl alle Ihretwegen kommen?

STADLOBER: Das ist mir wurscht. Ich konnte nicht mehr. Wenn man bei seiner Arbeit so unglücklich ist, dann kann man sie einfach nicht mehr weitermachen. Für mich war es zum Ende hin eine wirkliche Überwindung, zur Vorstellung zu gehen. Ich kam mir wie ein Clown im Zirkus vor. Was sich in den Rängen abgespielt hat, war einfach respektlos. Die Schüler haben teilweise telefoniert oder sich privat unterhalten, gepöbelt und ständig fotografiert. Du kriegst einen Hau, wenn es permanent blitzt. Ich stand auf der Bühne und habe gedacht "Ey Alter, du guckst hier gerade kein Fernsehen, das ist live hier oben." Aber im Schauspielhaus hat es niemanden interessiert, kein Lehrer hat etwas gemacht und auch sonst niemand.

ABENDBLATT: Wollen Sie trotzdem weiterhin Theater spielen?

STADLOBER: Auf jeden Fall. Aber auf eine seriösere Art und Weise. Das war auch der Grund, warum ich Theater machen wollte. Ich wollte aus diesem ganzen Film-Medien-Quatsch einfach mal raus. Was passiert ist, war das genaue Gegenteil. "Romeo und Julia" wurde wie ein Popkonzert promotet, und das in einer Vehemenz, wie es mit keinem meiner Filme vorher war. Das hat mich wirklich abgeschreckt und ist komplett nach hinten losgegangen. Da kamen haufenweise Leute ins Theater, die das Stück überhaupt nicht interessiert hat. Ich würde gerne an einem Theater spielen, wo es nicht so um Personen geht, sondern um die Inszenierung selbst. Aber darum ging es bei "Romeo und Julia" nicht mehr.

ABENDBLATT: Um noch mal auf "Sommersturm" zurückzukommen: Im Gegensatz zu Tobi ist Ihre eigene Teeniezeit ja vorbei. Ist das eine Erleichterung?

STADLOBER: Also die Zeit zwischen 14 und 17 möchte ich nicht noch mal erleben, aber die Zeit danach war schon schön. Manche Sachen verlieren natürlich ein bisschen ihren Reiz. Man hat sich an bestimmte Dinge gewöhnt, die vor vier, fünf Jahren noch wahnsinnig aufregend waren. Einfach, weil man die Sachen schon öfter gemacht hat. Am See zu sitzen und zu grillen, das erste Mal die Nacht durchzumachen und den ersten Sonnenstrahl zu sehen, das war vor fünf Jahren einfach noch aufregender als jetzt. Das sind Dinge, die ich etwas traurig finde. Nur beim Verliebtsein ist das anders. Das ist jetzt noch viel intensiver als das Mal davor.

ABENDBLATT: Verliebt zu sein ist jedes Mal neu.

STADLOBER: Ja, das ist der super Trick daran.

  • "Sommersturm" läuft ab morgen in den Hamburger Kinos.

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