Musikalische Oase im Innenstadttrubel
Morgen findet das 200. Lunchkonzert im Börsensaal der Handelskammer statt
Hamburg. Da staunten die Mitglieder der zehnköpfigen Touristengruppe nicht schlecht: Bei ihrer mittäglichen Führung durch die Handelskammer erlebten sie keine hektische Betriebsamkeit, sondern das Gegenteil. Mehr als 100 Menschen - von der Omi mit Hut bis zum Nachwuchsbroker - saßen mucksmäuschenstill an den Säulen der Börsenarkaden: Mit offenen Ohren und teilweise geschlossenen Augen lauschten sie den drei Romanzen für Oboe und Klavier von Robert Schumann, dargeboten vom Berliner Oboisten Simon Strasser und Franck-Thomas Link am Flügel.
Wer öfter hier ist, hat sich an solche Szenen längst gewöhnt: Seit dem 29. Juni 2000 wird die Handelskammer zur musikalischen Oase im Innenstadttrubel, wenn donnerstags um zwölf Uhr ein halbstündiges Gratis-"Lunchkonzert" stattfindet - morgen schon zum 200. Mal.
Die Idee stammt aus England. Der Kammerkunstverein probierte sie in Hamburg aus, zunächst in der Deichstraße. Bei einer Kultursponsoring-Börse der Handelskammer entstand dann der Kontakt zu Jörn Schüssler, dem Leiter der Abteilung für unternehmerische Kulturförderung: "1999 hab ich den Kammerkunstverein kennen gelernt. Ich kannte die Lunchkonzerte aus London und hatte schon länger geplant, so etwas auch bei uns zu machen - so kamen wir schnell ins Gespräch." Also holte er die Veranstaltung ins Haus und Sponsoren ins Boot.
Künstlerischer Leiter der Reihe ist der Musiker und Schauspieler Franck-Thomas Link, der selbst oft als Pianist in Erscheinung tritt und mit einem Pool von rund 30 Interpreten - viele von ihnen aus dem Ensemble Resonanz - für ein weit gefächertes Programm verantwortlich zeichnet: "Das Kammermusikrepertoire ist ja ungemein vielfältig. Wir spielen Klassik und Romantik, hatten aber auch schon eine Uraufführung. Konzeptionell machen wir immer mal Unter-Reihen, also einen Monat lang nur Wiener Klaviermusik oder das Porträt eines Komponisten."
Mit diesem Konzept haben sich die Lunchkonzerte ein Stammpublikum erspielt, doch auch "Laufkundschaft" kommt spontan: Etwa 120 Zuhörer sind es pro Konzert. Wesentlich für den Erfolg, so Ulrich Bildstein vom Kammerkunstverein, ist das niederschwellige Angebot: "Man muss keinen Eintritt zahlen oder eine bestimmte Kleiderordnung beachten. Und Zuspätkommer dürfen sich noch reinschleichen. Dieser ungezwungene Rahmen ist gerade für junge Menschen sehr attraktiv." Die Erfahrung lehrt: Wer sich erst mal von den Klängen hat locken lassen, der bleibt auch - was Bildsteins These bestätigt: "Die Musik hat den vollen Zugang zu den Herzen, immer noch!" (Marcus Stäbler)



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




