Viele Köche verderben die Schlacht
Entschärft: Warum Regisseur Antoine Fuqua sich von seinem neuen Film "King Arthur" distanziert.
London. Es sollte ein Epos werden, das dem Krieg ein grauenvolles Ge-sicht gibt. Regisseur Antoine Fuqua ("Training Day") hatte "King Arthur" als Horrorfilm mit Blut und Gewaltszenen konzipiert, der drastisch demonstriert, dass die Ritter der Tafelrunde sich erst mit dem Bösen auseinander setzen müssen, um Gutes zu tun. Was indes morgen in die Kinos kommt, ist eine weitaus zahmere und gewaltfreiere Version: ein Popcorn-Epos, das für Teenies ab zwölf Jahren freigegeben ist, das mit dem britischen Jung-Star Keira Knightley garniert ist und das statt des Ringens um Ideale nur wertleere Action inszeniert.
Am Rande der Londoner Premiere machte Fuqua publik, was seine Kehrtwende ausgelöst hatte. "In der Mitte des Drehs beschlossen die Disney-Studiobosse, aus der Legende um König Arthur einen Familienfilm zu machen, um mit einer größeren Zielgruppe ihre Einnahmemöglichkeiten zu erhöhen", erklärt der 38-Jährige. 100 Millionen Dollar soll "King Arthur" gekostet haben, produziert wurde die actiongeladene Saga von Kinokassen-König Jerry Bruckheimer. Doch in den USA ist der potenzielle Blockbuster hinter den Erwartungen der Studios und Kinobetreiber zurückgeblieben und wird in der Presse als "kostspielige Enttäuschung" bezeichnet.
Fuqua - so etwas ist selten - distanziert sich offen von der jetzigen Fassung. "Ich habe Verständnis für kommerzielles Denken", räumt er ein. "Hätte man von vornherein einen Kinderfilm gewollt, hätte ich ihn ohne Probleme so konzipiert. Aber es ist eine Tortur, seine über anderthalb Jahre geplante Umsetzung inmitten der Dreharbeiten zu unterbrechen und eine 180-Grad-Wende machen zu müssen!"
Die Karriere des Afroamerikaners begann mit Musikvideos, doch der Erfolg langweilte ihn schnell. "Mir wurden zum Schluss nur noch HipHop-Videos angeboten", erinnert sich der Filmemacher. "Darin waren immer nur teure Autos und Frauen in Tangas zu sehen. Ich hatte die Nase voll von diesen Stereotypen."
Sollte nun der Kampf um "King Arthur" Fuquas Waterloo werden? Die größten Kompromisse musste Fuqua in der Explizitheit des Kampfes zwischen Arthurianern und dem barbarischen Sachsenheer eingehen. Ohne jedoch die Auswirkungen der Gewalt zu demonstrieren, verkümmern diese Szenen zur reinen Kampf-Choreographie. Sie mögen noch so spektakulär in Szene gesetzt sein, wie die Konfrontation auf dem brüchigen Eis eines zugefrorenen Flusses. Die erhoffte Wertediskussion jedoch lösen sie nicht aus.
"Als wir drehten, konnte man auf CNN sehen, wie Menschen im Irak der Kopf abgeschlagen wird", erinnert sich Fuqua. "Genau solche Bilder hätte ich zum Anlass genommen, den Film in meiner Vision zu zeigen. Denn Krieg ist nun mal grausam." Dass die Ritter Arthurs ihren aussichtslosen Kampf gegen die Sachsen - unter ihnen auch ein monoton-grimmiger Til Schweiger - für sich entscheiden, war dem Mickymaus-Konzern noch zu wenig Happy End: Disney entschloss sich zum Nachdreh, eine Hochzeit zwischen Arthur (Clive Owen) und der Amazone Keira Knightley musste her. Fuqua inszenierte das oktroyierte Finale selbst. "Ich hätte nicht gewollt, dass ein anderer mein Material dreht", sagt er. "Immerhin muss der Regisseur am Ende für das Resultat geradestehen. Trotzdem hätte ich lieber die Beerdigung Lancelots am Ende gesehen, um zu zeigen: Am Ende der Gewalt gibt es keine Sieger. Nach dem Tod des besten Freundes kann man nicht einfach am nächsten Tag Hochzeit feiern."
Fuqua hofft nun, seine Ursprungsversion zumindest auf DVD veröffentlichen zu können, "wenn sie mich lassen". Seine Distanz zum System Hollywood wächst stetig. "Ich werde den Studiobossen auch weiterhin die Makel ihres Systems aufzeigen. Ständig wird derselbe Stoff neu aufbereitet und dem Publikum vorgesetzt. Warum? Ständig bei McDonald's zu essen ist doch auch todlangweilig. Hollywood muss vielseitiger werden und sich etwas von kleinen, innovativen europäischen Produktionen abschauen. ,King Arthur' habe ich ausschließlich mit Europäern besetzt."
Sechs Jahre Filmbusiness haben Antoine Fuqua ernüchtert. "Wenn einem sein eigener Film wichtig ist, wenn man mit Hingabe dabei ist und sich auch mal wehrt, dann ist man in Hollywood fehl am Platz. Man passt ins Schema, wenn man wie ein gehorsames Haustier kuscht, auf Dinner-Partys geht und Vetternwirtschaft gutheißt. So bin ich nicht. Ich will einem Film nur eine individuelle Handschrift geben. Aber Individualität wird bekämpft, von Anwälten, von Kreativen, von Funktionären, und irgendwann verderben die vielen Köche den Brei."
Vor Konsequenzen seiner offensiven Kritik hat Fuqua keine Scheu. Im Gegenteil, er fühlt sich in bester Gesellschaft. "Auch Roman Polanski hat nie ins System gepasst und wurde rausgeschmissen. Den ,Pianist' hat er ohne Hollywood gedreht. Oliver Stone wird das Leben schwer gemacht, Martin Scorsese bleibt lieber in New York und arbeitet fast unabhängig. Genies wie Michael Mann bekommen ihre Projekte nicht realisiert. Hollywood will keine Wegbereiter, sondern Marionetten. Da mache ich nicht mit."




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