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Kultur & Live

Die Elbe und ihre Auen

Sommerausflug: Das Elbschloss Bleckede ist einen Ausflug wert. Eine große Ausstellung informiert über Fauna und Flora in dieser Region

Bleckede. "Nein", sagt Andrea Schmidt. Und lacht freundlich. "Das heißt Bleeeeckede. Mit mecklenburgischem Dehnungs-C!" Den Fehler machen fast alle, die aus Hamburg hierher kommen. Und outen sich sofort als Touristen. Die Einheimischen kennen das - und nehmen es gelassen hin. Wir sind in Bleckede. Idyllisch gelegen, direkt am Elbufer, zwischen Lauenburg und Hitzacker. Eine hübsche Gemeinde mit knapp 10 000 Einwohnern, Backsteinhäusern, viel Fachwerk und, vor allem, dem Elbschloss.

Hier ist Andrea Schmidt "Hausherrin". Wir klettern den Burgturm hinauf - eine Wendeltreppe mit modernen Metallstufen. Aber: Seine Reste entstammen der alten Wasserburg, die hier einmal, zur Ursprungszeit Bleckedes, gestanden hat. Herzog Wilhelm von Lüneburg war es, der am 28. August 1209 den Ort in Erinnerung an seinen Vater, Heinrich den Löwen, als Löwenstadt urkundlich gründete.

Aus 20 Meter Höhe geht der Blick bis zum Horizont. Unten erstreckt sich das weite Land. Die Elbe schlängelt sich ruhig durch sattes Grün, man hört Vogelgeschrei, hier und da ein Haus, ein Gehöft. Sonst nichts. Nur Ruhe.

Halt. Dort, auf der anderen Seite der Elbe, kann man noch DDR-Wachtürme erkennen. Der eine davon soll sogar bewohnt sein. Von einem Berliner Opernsänger, so heißt es. Der kommt aber nur am Wochenende. Vielleicht fühlt er sich hier fast wie zu Hause: Denn auch Bleckede, das in den letzten Kriegstagen hart umkämpft wurde, war einmal eine geteilte Stadt. Wie Berlin. Sozusagen. Seit 1990 gehört Neu-Bleckede wieder zum Stadtgebiet. Und die Fähren fahren wieder - von hüben nach drüben.

"Die Hamburger haben diese Region noch nicht wirklich als Ausflugsziel entdeckt", sagt Andrea Schmidt. Dabei dauert die Autofahrt nur knapp anderthalb Stunden. Aber: "Viele kennen uns nicht, das kommt wohl daher, dass wir früher Zonenrandgebiet waren." Nach der Wende hat man dann festgestellt: "Hier ist es wunderschön, aber kaum einer weiß es!"

Kaum einer? Immerhin kamen in den letzten zwei Jahren mehr als 40 000 Besucher ins Elbschloss Bleckede - "für diese Region eine ganze Menge", findet Andrea Schmidt. Sie ist Leiterin der Umweltinformation. Denn das Elbschloss, das früher als Seminarhaus der Volkshochschule genutzt wurde, gibt seit Frühjahr 2002 auf 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche einen Überblick über die Niedersächsische Elbtalaue. Über Fauna und Flora, Kultur und Umwelt, Geschichte und Tourismus in der Region.

Die Umgebung ist ideal für Fahrradtouren: Der Elberadweg Nord führt direkt am Elbschloss Bleckede vorbei. "Wir sind nicht nur Umweltinformations- und Kulturzentrum", erläutert Andrea Schmidt, "sondern auch Tourist-Information." Denn für eine kleine Stadt lohnt es nicht, dafür zwei Anlaufstellen zu unterhalten. "Bei uns bekommt man also auch Radwanderkarten, wir vermitteln Ferienwohnungen und geben Veranstaltungstipps."

Ein Höhepunkt im Programm ist das historische Burgfest am 7. und 8. August (siehe Kasten unten), das in frühere Jahrhunderte zurückführt. Das Schloss stammt aus dem Jahr 1600, als Herzog Ernst von Braunschweig an Stelle der verfallenen Burg das Fachwerkgebäude errichten ließ. Der Burgturm indessen ließ sich noch nutzen - als Gefängnis.

Aber eigentlich ist das Elbschloss gar kein richtiges Schloss. "Denn hier", so Andrea Schmidt, "hat nie eine Herrscherfamilie gewohnt, sondern ein Burghauptmann, der den Herzog landesrechtlich vertreten hat."

Inzwischen wird der Renaissanceflügel für Konzerte, Lesungen, Tagungen - und sogar für standesamtliche Trauungen genutzt. Und im aufwendig restaurierten Barockflügel des Schlosses erfährt man, warum Vögel fliegen können, zu welchen Jahreszeiten seltene Vogelarten sich besonders gut in der Landschaft beobachten lassen, und was passiert, wenn die Elbe über die Ufer tritt. Sehr anschaulich und mit allen Sinnen erfahrbar, zum Anfassen und Ausprobieren.

In der niedersächsischen Elbtalaue, einem der bedeutendsten Brut- und Gastvogelgebiete Niedersachsens, gibt es rund 280 Vogelarten. Kraniche, Rot- und Schwarzmilan oder, ganz selten: Seeadler, brüten hier.

Die beliebteste Touristen-Attraktion aber ist der Weißstorch. Schon am Eingang der Ausstellung darf man ihm direkt ins Nest gucken - per Funk wird live übertragen, was im Bleckeder Nest von Meister Adebar geschieht. Hoch über den Dächern des Ortes. "Fünf Eier hatte das Paar gelegt, drei davon sind taub geblieben", erklärt Andrea Schmidt. Aber zwei Junge kamen durch: Zu Pfingsten geschlüpft, sind sie inzwischen fast flügge. Noch ein paar erste Flugübungen auf dem Horst. "Dann, im August", erzählt Andrea Schmidt, "gehen sie vom Nest runter, bleiben zehn Tage im Gebiet und fliegen anschließend über den Bosporus nach Afrika." Ohne ihre Eltern, übrigens.

Wer nach Bleckede fährt, bekommt vielleicht auch - mit viel Glück - den Elbe-Biber zu Gesicht, der allerdings nur in der Dämmerung und nachts aktiv ist. Im Wendland galt er seit 1819 als ausgestorben. Anfang der 1990er-Jahre kehrte er zurück. Aus Sachsen-Anhalt kommend. Auch das: Eine schöne Wende.

 

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