Die beste Luftnummer
Deutschland sucht den Champion im Keine-Gitarre-Spielen
Hamburg. Staunend starrt das Publikum auf die Bühne: Was für ein Meister an der Gitarre! Das Objekt der Bewunderung tobt wie ein Derwisch über die Bretter, rutscht auf den Knien zum Bühnenrand, hält die Klampfe hinter den Kopf und spielt trotzdem fehlerlos weiter. Jetzt zupft er sogar die Saiten wie weiland Jimi Hendrix mit den Zähnen. Doch sein Instrument ist ein besonderes Designer-Modell: Es ist unsichtbar. Eine "Luftgitarre".
Niemand weiß, wann es angefangen hat. Bei Cream mit Eric Clapton? Bei Led Zeppelin? Jedenfalls gibt es heutzutage kaum ein Rock- konzert, wo nicht mindestens ein Zuschauer verzückt die Band imaginär begleitet, pantomimisch die Finger über das "Griffbrett" flitzen lässt oder - die schüchternen Naturen - heimlich die rechte Hand in Bauchnabel-Höhe rhythmisch schüttelt.
Seit acht Jahren stehen die Luftikus-Klampfer nun selber jährlich auf der Bühne bei der "Luftgitarre-WM" im finnischen Oulu, um den Besten ihrer Zunft zu wählen. Dabei zählen präzise Akkorde zum Playback genauso wie Show und Pose. Die besten Fantasie-Virtuosen stimmen - typisch Gitarrist! - natürlich erst mal minutenlang ihr Instrument und haben auch einen "Roadie" dabei, welcher, sollte es Komplikationen wie eine "gerissene Saite" geben, devot ein neues Instrument reicht.
Ja, lachen Sie nur, wenn die neu gegründete "German Air Guitar Federation" am 25. August erstmals einen deutschen Vertreter - er wird am 10. Juli in Berlin gekürt - nach Finnland schickt. Aber vielleicht gewinnt er den Titel und spornt wie früher Boris Becker und Jan Ullrich viele Jugendliche zum Nachahmen an?
Jedenfalls ist "Luftgitarre" ein günstiges Hobby: Gute Einsteiger-Instrumente gibt es kostenlos in Ihrer Fantasie . . . oder zusammen mit einem "Luftverstärker" für einen Euro bei Ebay.



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