Zuerst habe er sich nicht befreit gefühlt. "Erst als das alles mit dem Holocaust herauskam, setzte das Umdenken ein." So umschreibt ein Zeitzeuge, ein ehemaliger Hitlerjunge, in Guido Knopps neuer, fünfteiliger Dokumentarreihe ("Die Befreiung") über die letzten 14 Monate des Zweiten Weltkriegs seine Gefühle nach der Kapitulation am 8. Mai 1945. Er teilt sie mit einem amerikanischen Kommandeur, der sich - mit derselben Frage konfrontiert - seinerseits ganz als Sieger gefühlt hat.

Besiegt (Zusammenbruch) oder befreit: ein ambivalentes Begriffspaar, das für Knopp den zentralen Spannungsbogen seiner Reihe ausmacht. Gegenüber dem Abendblatt formulierte der ZDF-Chefhistoriker auf die Frage, was ihn zu dieser Zuspitzung bewogen habe: "Wir müssen herausfinden, wie es damals war. Nur so kann unsere Generation im Urteil der Geschichte ihren Standort finden." Er weiß, dass die Zeit eilt, um dafür die Grundlagen zu schaffen, denn ihre Zeugen werden immer weniger. Deshalb lässt er sie auch in der neuen Reihe wieder zu Wort kommen. Und wie jedes Mal fasziniert die Authentiziät ihrer Geschichten und Gefühle.

Die Reihe beginnt mit dem verlustreichsten Landungsunternehmen der Militärgeschichte, dem D-Day am 6. Juni 1944. Am Ende dieses "längsten Tages" gelang es Amerikanern und Briten, an der französischen Küste die ersten Brückenköpfe auf dem von Hitlers Truppen besetzten Kontinent zu bilden. In der darauf folgenden Schlacht um die Normandie verloren die Alliierten rund 120 000 Mann. Fast ebenso viele Deutsche ließen ihr Leben, wurden verwundet oder gefangen genommen. Das Unternehmen mit dem Codewort "Overlord" leitete die Befreiung Frankreichs ein. Von hier begann der Siegeszug über den Rhein, der letzten großen Front im Westen.

Zahllose Filme über den D-Day haben die Grausamkeit jener Schlacht ausgemalt. Natürlich kommt auch Knopp nicht umhin, die Szenen des Massakers am Landungssektor "Omaha Beach", in dem die deutschen Verteidiger die anstürmenden alliierten Soldaten niedermähen, zu zeigen. Bilder, die unter die Haut gehen. Ebenso erschütternd sind auch die Erinnerungen von Soldaten und Angehörigen auf beiden Seiten. Sie erzählen von menschlichen Ängsten und Schicksalen, die auch 60 Jahre später wie eine einzige Mahnung wirken.

  • Doku-Reihe: Die Befreiung. 20.15 Uhr ZDF 2. Folge Di, 18. Mai, 20.15 Uhr: "Der Kampf um Paris"