Märchen und Familiendrama
Kinostart - Tim Burton über seinen neuen Film "Big Fish": Fantasie ist Wirklichkeit!
Hamburg. Wenn andere Jugendliche am Nachmittag mit Freunden abhingen, über Hausaufgaben saßen oder die Baseballkeule schwangen, saß Tim Burton meistens allein im Kino. Sah Monster- und Science-Fiction-Filme, manchmal drei hintereinander, für erschwingliche 50 Cent.
Angst, dass seine Eltern ihm den ausgiebigen Kinokonsum untersagen würden, musste der blasse Teenager nicht haben. Mit 14 Jahren verließ er sein Elternhaus und zog zur Großmutter, mit 15 bewohnte er ein eigenes Apartment in Omas Nähe. "Das Leben in Burbank, wo ich herkomme, war langweilig. Es war eines dieser Viertel mit gepflegten Vorgärten, in denen alles quadratisch ist. Abenteuer konnte man dort nicht erleben", erzählt Tim Burton. Die passierten auf der Leinwand.
Die Filme aus seiner Jugend haben deutliche Spuren in Burtons Filmsprache hinterlassen. In vielen seiner Werke wie bei "Batman", "Sleepy Hollow" oder "Mars Attacks!" finden sich Einflüsse des fantastischen Films, des klassischen Horrorfilms und früher Science-Fiction-Streifen. Tim Burton ist ein cineastischer Märchenerzähler. Insofern war es naheliegend, ihn mit der Verfilmung von "Big Fish" zu beauftragen, einer Vater-Sohn-Geschichte, die auf einem Roman von Daniel Wallace basiert.
"Das Drehbuch kam zum richtigen Zeitpunkt, denn mein Vater war gerade gestorben. Ich habe damals viel über den Tod nachgedacht und hatte in ,Big Fish' die Möglichkeit zu zeigen, dass der Tod etwas Natürliches ist. In meiner Familie und in großen Teilen unserer Gesellschaft ist Tod immer noch ein Tabu-Thema. In der Szene, in der die Hauptfigur Edward Bloom stirbt, wollte ich nicht nur Trauer, sondern auch Humor, Freude und Rückschau auf das Leben zeigen."
"Big Fish" ist ein Film so richtig nach dem Geschmack des Bilderkünstlers Burton. Er ist Familiendrama, Zirkusfilm, Gaunergeschichte und Liebesstory in einem und immer wieder mit Ungeheuerlichkeiten gespickt, denn Edward Bloom ist eigentlich ein wahrer Lügenbaron. "Der Film hinterfragt den Begriff der Wirklichkeit. Es war mir wichtig zu zeigen, dass in Dingen, die fantastisch erscheinen, viel Realität stecken kann, und sich darin vielleicht eine emotionale Wahrheit verbirgt. Wahrheit kann außerdem sehr vielschichtig sein. Ich sehe mehr Wahrheit in manchem Fantasyfilm als in Politiker-Reden."
Wie so oft in Burtons Filmen ist die Szenerie mit allerlei Außenseitern bevölkert: Ein Riese taucht auf, siamesische Zwillinge, ein kleinwüchsiger Zirkusdirektor. "Diese Sympathie für Außenseiter hat wohl damit zu tun, dass ich mich selbst so gefühlt habe. Dieses Gefühl bleibt ein Teil von dir, egal, wie erfolgreich und akzeptiert du später auch sein wirst", erklärt der 46-Jährige, der gerade Vater geworden ist und mit der Schauspielerin Helena Bonham Carter zusammenlebt.
Tim Burton, der es durch die "Batman"-Trilogie und "Planet der Affen" in Hollywood zum A-Klassen-Regisseur geschafft hat, bezeichnet "Big Fish" als seine bisher beste Erfahrung mit dem Studiosystem in Hollywood. "Es gab keinen Star, das Drehbuch wurde während der Produktion nicht dauernd umgeschrieben, und wir konnten ungestört und mit viel Spaß arbeiten." Nicht gerade selbstverständlich in einem System, das gezwungen ist, Megaerfolg nach Megaerfolg zu produzieren. "Oft liegt der Veröffentlichungstermin für einen Film bereits fest, bevor es überhaupt ein Drehbuch gibt. Das geht dann meistens nicht gut."



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