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Kultur & Live

Diplom-Projekt

Elke Schuch schrieb das Drehbuch zum nominierten Kurzfilm "Die rote Jacke".

Hamburg. Es ist ihr erstes großes Interview, und es macht ihr vermutlich in etwa so viel Spaß wie auf Preisverleihungen zu gehen. Die nämlich, sagt Elke Schuch und verdreht die Augen, seien für sie "ein kleiner Horror". Allein schon die Sache mit dem Kleid. Jeder will wissen, was man denn für ein Kleid geplant habe. "Das Kleid ist einer der Gründe, warum ich auf keinen Fall nach L. A. will!" Dort ist Florian Baxmeyers Kurzfilm "Die rote Jacke", für den Schuch das Drehbuch verfasste, in diesem Jahr für einen Oscar nominiert.

Es ist die mittlerweile zehnte Preisverleihung für diesen Hamburger Film. Davor gabs den Studentenoscar, den "Studio Hamburg"-Nachwuchspreis, den "Pro Sieben"-Nachwuchspreis und diverse andere Auszeichnungen. National und international.

So ein Erfolg ist bei den Verantwortlichen im Allgemeinen ein Grund zur Freude. "Ja." Schuch lächelt schief und erschrickt ein bisschen vor dem Blitzlicht des Fotografen. "Ich freu mich ja. Ich will nur nicht zu Verleihungen gehen." Sie sei sowieso gar nicht so "Oscar-sozialisiert". Im Gegenteil: "Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich den fertigen Film gesehen habe. Also, auf mich geht der Oscar bestimmt nicht zurück, das ist nun wirklich kein typischer Schuch-Film."

Kammerspiele interessieren die 29 Jahre alte Wahlhamburgerin viel mehr. Familienkonflikte, "so psychologische Sachen, nichts besonders Aufwendiges". "Die rote Jacke" dagegen spielt in Hamburg, Sarajevo und Umgebung und ist damit trotz der übersichtlichen Länge von 20 Minuten eine internationale Produktion. Die Bundeswehr hat mit Flugzeugen und Komparsen ausgeholfen, es gibt Kriegsszenen und ein Ende, das wunderbar anrührend, aber eben auch nicht frei von Pathos ist. "Ich kann mir schon denken, dass die Amerikaner das mochten", seufzt Schuch und lächelt so, als spräche sie von einem Film, in den sie nur ganz zufällig hineingeraten sei.

Aber "Die rote Jacke" ist Schuchs Abschlussarbeit des Drehbuch-Studiengangs an der Uni Hamburg. "Wenn mir jemand gesagt hätte, ich würde mal so ein Kriegsdrama schreiben, ich hätte dem einen Vogel gezeigt." Eine gesunde Bodenhaftung scheint ihr der angemessenere Umgang - und der angenehmste dazu.

Geradezu erleichtert wirkt sie, als es im Interview endlich wieder um was anderes geht. Um jede Menge "Großstadtrevier" zum Beispiel, drei Folgen sind fertig, drei sollen folgen. Gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Marc Blöbaum schreibt die Autorin außerdem an einem Hamburg-"Tatort", im Sommer wird gedreht.

Mit Blöbaum bildet Schuch eine Bürogemeinschaft, aber meist schreibt sie zu Hause, im Schlafanzug vorm Computer. Die neue Wohnung, die sie sucht, sollte deshalb unbedingt einen Baum vorm Fenster haben. Und eine Badewanne. "Ist aber schwer. An Drehbuchautoren wird nicht gern vermietet." Kleiner Tipp: dem Makler während der Besichtigung was von "Hollywood" und "Oscar-Verleihung" erzählen. Beim Rundgang vernehmlich "Tatort" murmeln und vorm Rausgehen schnell "Großstadtrevier" hüsteln. Wenn ein Vermieter da nicht anbeißt, stimmt was mit der Wohnung nicht.

 

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