Der etwas andere Kommissar
Krimi: Der Schwede Åke Edwardson liest aus seinem neuen Roman im Speicherstadtmuseum.
Hamburg. Das Reservoir an schwedischen Krimiautorinnen und -autoren scheint unerschöpflich - Mankell, Marklund, Nesser, Dahl, Josefsson, Ekman und, und, und. Åke Edwardson, 1953 geboren, Ex-Journalist und in Göteborg lebend, ist einer von ihnen, und er ist neben Håkan Nesser der vielleicht interessanteste Autor in der nordischen Riege. Krimileser lieben Helden, seit den emanzipatorischen 70er-Jahren vor allem jene, die ihre Schwächen zeigen, die Zweifel zulassen - da identifiziert es sich leichter. Mankell hat das mit seinem Kommissar Wallander radikal durchbuchstabiert - keiner leidet mehr als Kurt W. Auch deshalb ist Edwardson, dessen erster Kriminalroman 1995 erschien, interessant, weil sein Kommissar anders ist: Erik Winter trägt Designeranzüge, schätzt italienisches Essen und schöne Frauen, raucht Zigarillos, hört Jazz. Liebt alles Sinnliche. Lässt sich nicht gehen, wie Wallander es macht. Doch auch Winter trägt Melancholie in sich, sein edles Äußeres ist ihm Schutz vor all dem Schmutz, dem Leid, das er erleben muss in seinem Job als Kommissar bei der Göteborger Kripo. In dem neuen Roman "Segel aus Stein" (Claasen-Verlag), aus dem Edwardson morgen im Speicherstadtmuseum liest, verschlägt es Winter nach Schottland. Der Mann einer alten Freundin ist ermordet worden. Der Tote war auf der Suche nach seinem Vater, einem Fischer, der seit langen Jahren als verschollen galt. Seine Ermittlungen führen Winter weit in die Vergangenheit zurück. Obwohl sich Edwardson klassischer Handlungs- und Plotmuster - alte Schuld ruht nie! - bedient, ist er ein überzeugender Erzähler, weil er es versteht, atmosphärisch straffe Spannungsbögen zu entwickeln. Äußere wie innere, also seelische Landschaften, schildert er so kraftvoll wie einfühlsam. Die Romane von Åke Edwardson zeichnet zudem aus, was allen schwedischen Kriminalromanen eigen ist: Detailliert zeichnet er ein Bild trister alltäglicher Polizeiarbeit, kritisch blickt er auf den Niedergang des schwedischen Sozialstaates. Darin steht Edwardson in der Tradition der Krimilegende Sjöwall/Wahlöö.



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