Wo die Glocken läuten
Heute wird das Musikfest eröffnet - mit einer Komposition, an der vier Hamburger Kirchtürme als "Instrument" beteiligt sind.
Hamburg. "Das Hamburger Musikfest ist für Hamburg gemacht, es soll sich mit Musik vor allem des 20. Jahrhunderts auseinander setzen. Uns ist wichtiger, was zu einem bestimmten Thema gespielt wird, als wer es spielt." Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn die Definition, mit der Generalmusikdirektor Ingo Metzmacher sein Konzept als Künstlerischer Leiter definiert, bietet nicht nur Chancen zur Profilierung und Etablierung eines gerade in Hamburg immer wieder vernachlässigten Themas, sondern auch Platz für Akzeptanz-Lücken: Für große Gast-Orchester fehlt das Geld, und auch die klassischen Publikumslieblinge, mit denen Festivals landauf, landab Scheunen, Schlösser oder Marktplätze füllen, sind eher nicht zugegen. Beim Hamburger Musikfest, das heute eröffnet wird, setzt man konsequent nicht auf schnöden Oberflächen-Glanz. "Alle Programme sind eigenproduziert, wir wollen kein bloßes Abspiel-Festival von Tourneen sein", ergänzt Musikfest-Geschäftsführer Benedikt Stampa. Es soll also auch mal sperrig sein dürfen und kontrovers. In den vergangenen drei Jahrgängen, bei denen man mitunter den roten Faden im Programmheft vermisste, gab es damit oft Probleme, allen voran sorgte der Skandal um die Äußerungen des Komponisten Karlheinz Stockhausen, der die Anschläge vom 11. September mit Kunstwerken verglich, für internationale Aufregung. Dazu jeden November das Warten auf die Zusagen der Haupt-Geldgeber Kulturbehörde und "Zeit"-Stiftung sowie das Hauen und Stechen hinter den Kulissen der Klassik-Branche um Marktanteile sowie die unbeantwortete Frage, was wird, wenn der Musikfest-Wiederbeleber Metzmacher 2005 nach Amsterdam wechselt und seine Nachfolgerin Simone Young bei ihrem Desinteresse bleibt - und fertig ist die Meinungs-Melange, die immer wieder Angriffspunkte für Kritik bot. In diesem Herbst soll es deswegen auch gleich ums Ganze gehen. Um Gott. Im Mittelpunkt des Programms stehen schon traditionell die großen Hamburger Orchester Philharmoniker, NDR und Symphoniker, erweitert wird das Angebot durch Gast-Ensembles und einen Abstecher zu Hörspiel und Jazz. Wo Gott ist, dürfen Glocken nicht weit sein, dachten sich die Veranstalter und nahmen den Hamburger Komponisten Manfred Stahnke freundschaftlich ins Gebet. Das Ergebnis: "Calling", ein spektakulärer Auftakt für vier Kirchtürme (Michel, St. Petri, St. Jacobi, St. Katharinen), zwei Kinderchöre und eine Musikhalle arrangiert. Heute werden ab 18 Uhr zwei Kindergruppen vom Alsterpavillon und vom Michel aus (vorneweg: Kultursenatorin Horakova) Richtung Musikhalle gehen, mit Glöckchen in der Hand, während die großen nach einem durchkomponierten Ablauf läuten. Ihre himmlischen Harmonien landen per DSL-Leitung in der Musikhalle, wo die Kinder nach ihrer Ankunft um ca. 18.30 Uhr dazu singen sollen.



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




