Traumtänzer mit langer Tradition
Kampfkunst-Kino: Warum Chinas Helden auch im Westen faszinieren.
Hamburg. Seit knapp einer Woche läuft der Martial-Arts-Film "Hero" in den deutschen Kinos. Gedreht hat ihn der chinesische Regisseur Zhang Yimou, sonst bekannt für seine Sozialdramen ("Rotes Kornfeld", "Leben"), die international mit Preisen überhäuft wurden. Dass ein Intellektueller wie er einen Kampfkunstfilm dreht, erstaunt indes nur im Westen. Für Chinesen ist das keine Überraschung. "Die Kampfkünste sind bis zu 2700 Jahre alt und tief in der chinesischen Kultur verwurzelt", erklärt Yu-Chien Kuan, der an der Hamburger Uni Sinologie lehrte. Die Idee, dass Körper und Geist durch jahrelanges Training zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sind, ist in Asien fest verankert. Wenn Filmhelden an Bäumen hochlaufen oder Giftpfeile mit der Hand abfangen, halten das viele westliche Zuschauer schnell für ein Fantasy-Abenteuer. Doch auch Weili Qian, eine Chinesin, die seit 14 Jahren in Hamburg lebt, hat keinen Zweifel daran, dass es im Menschen höhere Fähigkeiten gibt, die es zu entwickeln gilt. Sie versteht aber, dass es provoziert, wenn jemand sagt: "Warum soll es nicht möglich sein, über das Wasser zu laufen?" Der auch im heutigen China präsente Gedanke, dass Körper und Geist durch regelmäßige Übungen gepflegt und entwickelt werden müssen, habe seine Wurzeln in der Philosophie des Taoismus, erklärt Yu-Chien Kuan. "Da geht es nicht um die Aussicht auf ein angenehmes späteres Leben, sondern um das Hier und Jetzt." "Sich in einer (Kampf-)Kunst so zu vervollkommnen, dass man mit Waffe oder Werkzeug eins wird, dass Pinsel oder Schwert als natürliche Verlängerung des Armes erscheinen, wird in China sehr bewundert", ergänzt Weili Qian. So ist es wenig erstaunlich, dass Kampfkunstfilme schon seit Jahrzehnten ein Milliardenpublikum anziehen. Ein Erfolg, den diese Filme mit ihren literarischen Entsprechungen gemeinsam haben: Kampfkunstromane führen in China die Bestsellerlisten an, der aus Altersgründen nicht mehr schreibende Jin-Yong ist durch seine hundertmillionenfach verkauften und verfilmten Bücher zum Milliardär geworden. Wenig überraschend also, dass Regisseure wie Ang Lee ("Tiger & Dragon") oder Zhang Yimou sich frei von intellektueller Überheblichkeit des Gen- res annehmen. Wirkung erzielen diese Filme auch in Deutschland, wie Uwe Bujack vom Hamburger Chon Jie Haus, einem Zentrum für koreanische Kampfkunst, berichtet: "Es kommen immer wieder Jugendliche, die hoffen, nach nur einem Kurs ähnlich spektakulär kämpfen zu können. Doch die bleiben weg, wenn sie merken, dass jahrelanges hartes Training nötig ist, um dem Gesehenen auch nur etwas näher zu kommen." Kino bleibt eben das Produkt einer Traumfabrik. Auch wenn es aus China kommt.




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