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Große Taten - doch was blieb?

Joe Klein liefert ein fesselndes Porträt von Bill Clinton.

"Wenn Sie eine Schildkröte auf einem Zaunpfahl sitzen sehen", pflegte Bill Clinton zu sagen, "dann ist sie dort nicht durch Zufall hingekommen." Dieses Zitat, moniert sein Biograf Joe Klein, erkläre am besten, dass es nicht pures Glück war, wenn sich seine Regierungszeit als Periode beispiellosen Wohlstands und Friedens erwies. Die Geschichtenschreiber hätten das jedoch schlicht verdrängt. Warum? Darum, meint Klein: Denn die einzigen Clinton-Zitate, die aus seiner Amtszeit (1992- 2000) in "Bartlett's Familiar Quotations" aufgenommen wurden, lauteten: "Ich habe ein- oder zweimal mit Marihuana experimentiert", "Ich habe keine sexuellen Beziehungen zu dieser Frau - Miss Lewinsky - gehabt", und "Es hängt davon ab, was Sie unter dem Wort ,ist' verstehen". Die Affäre um die Praktikantin 1998 überdeckte alles, was Clinton bis dahin zu Wege brachte. Und das ist zum großen Teil seine eigene Schuld, urteilt Klein in seinem faszinierenden Clinton-Porträt "Das Naturtalent". Denn die Art, wie er versuchte, von seinen Fehlern abzulenken, sei eines Präsidenten unwürdig gewesen. Dass es diese offenkundigste Charakterschwäche des 42. Präsidenten ist, die im historischen Gedächtnis haften blieb, ärgert den US-Star-Journalisten. Denn für Klein war er "zweifellos die größte politische Begabung seiner Generation". Kein amerikanischer Politiker seiner Zeit hatte die emotionale Intelligenz, das enzyklopädische Wissen und das Talent, mit Menschen umzugehen, wie der Mann aus Hot Springs, Arkansas. Clinton gelang es bis 1998 in einer Zeit, in der die Republikaner einen "Guerillakrieg" gegen seine Administration führten und die Presse mehr an Skandalgeschichten als an Inhalten interessiert war, die amerikanische Nation zu unvergleichlichem Wohlstand zu führen. Erstmals seit 40 Jahren gab es 1998 einen Haushaltsüberschuss, die Arbeitslosenzahl sank. Und, schreibt Klein, Clinton habe durch seine Sozialreform Arbeit wieder lukrativ gemacht. Doch all das wurde kaum wahrgenommen. Wohlstand war kein Thema. Er war mittlerweile selbstverständlich geworden. Die Mischung aus Nähkästchen-Plaudereien und politischer Analyse stimmt. Ein Beweis ist die Art, wie Klein mit der Frage umgeht: Wie steht es um die Ehe der Clintons? Es sei am besten, "unterschiedslos alles zu glauben: Er war chronisch untreu. Sie zankten sich, dass die Fetzen flogen. Sie waren politische Partner. Sie waren die besten Freunde. Sie liebten sich bis zum Wahnsinn. Alle diese Aussagen schlossen sich nicht aus." Am Ende resümiert Klein: "Er hatte das Pech, in einer Zeit zu regieren, in der Größe nicht gefragt war." Clinton habe sein Leben lang von einer "heroischen Präsidentschaft" geträumt, "von großen Taten und großen Gesten". Sie waren ihm nicht vergönnt. Titel: Das Naturtalent. Die verkannte Präsidentschaft Bill Clintons Autor: Joe Klein, d. v. Hainer Kober Verlag: Siedler Preis: 19,90 Euro, 216 Seiten Titel: Das Naturtalent. Die verkannte Präsidentschaft Bill Clintons Autor: Joe Klein, d. v. Hainer Kober Verlag: Siedler Preis: 19,90 Euro, 216 Seiten

 

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