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Kultur & Live

Hochstapler auf den Spuren von Mr. Wolfe

John Colapintos herrliche Satire ist auch ein spannender Thriller.

Cal Cunningham gibt sich großspurig als Schriftsteller aus, doch veröffentlicht hat er noch nichts. Er träumt aber unverdrossen vom großen Roman, den er eines Tages schreiben wird. Bevor der Möchtegern- Autor, der gerade sein Studium beendet hat, reich und berühmt wird, muss er erst mal seine Schreibblockade in den Griff kriegen und sich mit einem miesen Job in einem New Yorker Buchladen abfinden. Seinem Wohnungsgenossen Howard, einem trockenen, unauffälligen Juristen, berichtet Cal regelmäßig von seinen flüchtigen Affären und Alltagserlebnissen, die nicht besonders aufregend sind. Als Howard tödlich verunglückt und Cal in dessen Nachlass ein Romanmanuskript findet, erkennt er seine große Chance: Er gibt das Werk "Almost Like Suicide" als sein eigenes aus - schließlich ist es ja seine aus den täglichen Gesprächen mit Howard komponierte Geschichte. War Howard nicht eine Art Privatsekretär, dem Cal alles in die Feder diktiert hatte? Cal kann tatsächlich über einen cleveren Agenten das Buch zum Megaseller machen und die Filmrechte an Hollywood verkaufen: Bei einem Versteigerungsdeal unter liquiden Bietern zahlt ein Verlag 700 000 Dollar für das Manuskript und ein Hollywood-Studio 900 000 Dollar für die Filmrechte. "Eine Mordsgeschichte", jubelt der schrille Agent Yaeger. Für die Verfilmung stellt er sich Steven Spielberg als Regisseur vor: "Starker Abgang mit 'nem Schuss Generation X und 'ner Prise Postmoderne." Also alles paletti? Keineswegs: Howard hatte das Manuskript kurz vor seinem Tod an seine Freundin Janet geschickt. Falls diese den Text gelesen hat, könnte sie Cal als Schwindler und Hochstapler entlarven. Zu allem Überfluss wird Cal bald von der penetranten Schlampe Les erpresst, die den Roman auf Howards Laptop-Festplatte entdeckte und den Hochstapler als ideale Geldquelle betrachtet. Sie will sich sanieren, Cal möchte sie aus dem Weg räumen - aber wie? Der New Yorker Journalist John Colapinto (43) hat mit seinem ersten Roman einen echten Pageturner produziert, der in bester Tom-Wolfe-Tradition ("Fegefeuer der Eitelkeiten") Satire mit Love Story und Krimi zu einer großartigen gesellschaftskritischen Bestandsaufnahme kombiniert. Wie Wolfes neureicher Aktiendealer fühlt sich auch Cal, der Plagiator Maximus, auf dem Zenit seines Erfolgs als Master of the Universe. Bis ihn die Vergangenheit einholt und ihn die existenzielle Krise heimsucht. Der fulminante Showdown an der kanadischen Grenze und das gruselige Folterszenario mit dem überraschenden Schluss sind etwas zu dick aufgetragen. Aber "Ein unbeschriebenes Blatt" liest man trotzdem in einem Rutsch durch. Colapinto ist ein Volltreffer gelungen: Sein Roman ist locker geschrieben, karikiert sehr unterhaltsam den millionenschweren Literaturbetrieb und bietet gleichzeitig Spannung pur. Selbst Thriller-Meister Stephen King war begeistert: "Ich konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen - es ist wahnsinnig spannend."

 

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