Kanadisch, praktisch, gut
Bryan Adams in Hamburg
Hamburg. Gegen Bryan Adams kann man gar nichts sagen. Er ist ein netter Kerl, der sichtlich gern auf der Bühne steht und es versteht, sein Publikum zu unterhalten. Gut, die Lieder des Kanadiers zeugen nicht gerade von übermäßigen Songschreiberqualitäten, aber sie sind eingängig und größtenteils zu Hits geworden. Unter den 25 Liedern, die Bryan Adams am Freitagabend in der nahezu ausverkauften Color-Line-Arena spielt, ist keines dabei, das man nicht vorher schon einmal im Radio gehört hätte. Da wird das Mitsingen dann ganz einfach. Rotschopf Jessica, Friseurin aus Bremen, darf das sogar auf der Bühne: Bei "When You're Gone", das Bryan Adams normalerweise mit Spice Girl Mel C singt, unterstützt sie den soliden Holzfällerrocker gesanglich. "Ich habs geschafft", kreischt die quirlige Jessica ins Mikrofon, winkt ihrer Freundin Astrid auf der Tribüne zu und reizt dann jedes Bühnenklischee aus: Beim Singen guckt sie ihrem Bryan ganz tief in die Augen, lehnt sich gegen seinen Rücken, und während des Gitarrensolos schmiegt sie sich eng an ihn. Ja, der Bryan ist eben wirklich ein Star zum Anfassen. Einer, der noch normal geblieben ist, der lieber ein schlichtes schwarzes T-Shirt als ein funkelndes Bühnenoutfit trägt, und einer, der sich nicht scheut, ein Bad in der Menge zu nehmen: Während des Schmusepopsongs "I'm Ready" flirtet er mit den Frauen in der ersten Reihe, verteilt sogar einige Wangenküsse und klatscht unermüdlich die ausgestreckten Hände der Fans ab. Später, nach fast zwei hitgespickten Stunden, spielt er den ersten Zugabenblock auf einer kleinen Bühne mitten im Zuschauerraum. Das macht der 43 Jahre alte Pop-Star allerdings nicht nur in Hamburg, sondern bei jedem Konzert. Neues kann man von ihm nun mal nicht erwarten, dafür aber immer eine grundsolide Show. Das müssen andere erst mal schaffen.



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