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Kultur & Live

Allein in der Provinz

Hamburgs Dokumentarfilm für die Berlinale

Hamburg. "Hast du mal mit deinem Hausarzt darüber gesprochen?" Schwulsein in deutschen Landen. Während es in Großstädten wie Hamburg oder Köln eine offene Homosexuellen-Szene gibt, sind die Homosexuellen in ländlichen Gegenden oft allein unter Heteros. Offiziell zumindest. So wie der 26 Jahre alte Forstarbeiter Stefan aus dem schwäbischen Dorf Michelwinnaden, der sich vor den erschrockenen Kollegen outet, oder der HIV-positive Hartmut, der sich erst mit 51 Jahren zu seiner Homosexualität bekennt und bis dahin mitlacht, wenn am Stammtisch Schwulenwitze gerissen werden. Der Hamburger Filmemacher Jochen Hick hat sie und andere für sein Dokumentarprojekt "Ich kenn keinen - Allein unter Heteros" mit der Kamera durch die Provinz begleitet: eine Welt voller Vorurteile zwischen Gesangsverein, schwäbischer Christopher-Street-Parade und moralisierender Kirchengruppe. Auf der Berlinale läuft "Ich kenn keinen" außerhalb des Wettbewerbs in der Reihe "Panorama" - neben Fatih Akins "Solino" der einzige Berlinale-Beitrag aus Mitteln der Hamburger Filmförderung. Im Frühsommer soll der Film in die Kinos kommen. "Der deutsche Fernsehzuschauer weiß mehr über das Liebesleben von Quallen als über das alltägliche Leben von Schwulen", fasst Hick die Notwendigkeit seiner Dokumentation zusammen. Ähnlich bitterkomisch zeigt sich der Ton der Statements, die der Regisseur den Interviewpartnern vor der Kamera entlockt. Ohne zu provozieren, entlarvt er eine bestenfalls naive, schlimmstenfalls unverhohlen rassistische Grundeinstellung der (ländlichen) Bevölkerung gegenüber Homosexualität und macht damit auf ebenso unterhaltsame wie erschreckend ehrliche Weise deutlich, wie weit Toleranz und Gleichberechtigung noch entfernt sind. Ein Film, der auch die großstädtische Schwulengemeinde daran erinnern soll, "dass eine CSD-Parade auch heute noch mehr Sinn verfolgen darf, als für Jacobs-Kaffee, Red Bull oder West-Zigaretten Werbeträger zu sein".msch

 

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