Hamburg. Termin und Titel waren treffend gewählt, "Schneemänner dürfen nicht weinen". Schneemänner haben ja zurzeit Hochsaison. Premiere im Schmidt-Theater an der Reeperbahn, Folge 367 von "Pension Schmidt", der beliebten Kiez-Soap-Opera. Es geht vordergründig um einen Schneemannbau-Wettbewerb, den Polizist Hotte unbedingt gewinnen will.

Doch drei Frauen tauchen auf und bringen seine Vorbereitungen gründlich durcheinander. Die üblichen Verwicklungen, Verwechslungen, Überraschungen stellen sich so peu à peu ein. "Die Zeiten sind hart, aber modern" heißt es, und so werden auch "Trendy"-Erscheinungen wie Motivationstraining oder Wellnesswahn gründlich durch den bewussten Kakao gezogen.

Im ersten Teil konnte Thomas Matschoß' Regie einiges mühsam Verkrampfte nicht vermeiden, dafür wurde das Publikum nach der Pause mit Tempo und Witz voll entschädigt. Handlungs- und Personen-Ebenen verschoben sich gegen- und ineinander, das Chaos komplettierte, das Vergnügen mehrte sich.

Michèle Connah, Tanja Roll, Carolin Spieß, Frank Wieczorek und Tilman Madaus verblüfften einmal mehr durch blitzschnelle Typenverwandlung, insgesamt spielten sie 14 Rollen. Heiko Wohlgemuth (Text) und Martin Lingnau (Musik) steuerten pfiffige Songs bei, und so dankte das Publikum mit reichlich Szenen- und Schlussapplaus.

So weit, so gut. Aber: Auf der Szene erscheinen die Killer Heinz und Heiner nach Schüssen aus dem Off. Sie tragen Reversclips mit den Namen zweier Abendblatt-Kritiker, unterhalten sich kurz über diese. "Tod eines Kritikers", frei nach Martin Walser? Bei aller Narrenfreiheit, das ist geschmacklos. (d.a.)

Vorstellungen bis 16.März