Operation Ton: Hamburgs Popbranche traf sich zum Kongress
Wursttheke oder World Wide Web: Wie verdient ein Musiker sein Geld?
Eigene Musik in einem Kinofilm unterbringen? Mit cleveren Verkaufsideen im Internet punkten? Mit einem Videoclip ein Album bewerben? Oder direkt ein Instrument erfinden?
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Hamburg. Eigene Musik in einem Kinofilm unterbringen? Mit cleveren Verkaufsideen im Internet punkten? Mit einem Videoclip ein Album bewerben? Oder direkt ein Instrument erfinden?
Wie lässt sich heutzutage noch Aufmerksamkeit und/oder Geld verdienen, "wenn der Download von MP3s vor allem den Künstler selbst verarmen lässt und reihenweise Indie-Labels und -Vertriebe Konkurs anmelden, wenn Musiker wieder an der Wursttheke und als Totengräber arbeiten"?
Diese Frage verhandelte der Hamburger Verein RockCity zum dritten Mal auf seinem Kongress "Operation Ton" im Westwerk. Und wie in den Jahren zuvor galt es, das Fachpublikum aus Kreativen, Plattenfirmen-Betreibern, Managern und Web-Spezialisten nicht nur mit Wortbeiträgen zur Selbsthilfe zu animieren, sondern auch die Sinne anzuregen.
Bestes Beispiel für grenzüberschreitenden Einfallsreichtum war der 1949 geborene Musiker Hans Reichel. Der Wuppertaler stellte das von ihm 1985 erfundene Daxofon vor. Mit der Linken ließ er den Dax, ein Holzschiff mit Gitarrenbünden, über eine Holzzunge wippen, die er mit der Rechten parallel per Geigenbogen bespielte. Seine Sounds klingen in etwa wie eine apokalyptische Zigeunerkapelle. Da Reichel, als Schriftdesigner finanziell unabhängig, die Daxofone trotz zahlreicher Anfragen nicht verkauft, sondern lieber eine Bauanleitung ins Netz stellt, ist er zwar ein inspirierendes, aber nicht unbedingt monetär vielversprechendes Erfolgsmodell.
Praktischere Hilfestellung gab da unter anderem Meike Richter. Die Kulturwissenschaftlerin erläuterte anhand des beim Kongress mehrfach zitierten Produzenten und Musikers Trent Reznor, wie Künstler das zur Musiktauschbörse avancierte Internet noch profitabel nutzen können. Eine Strategie: Songs, die ohnehin umsonst im WWW zu haben sind, direkt verschenken, aber mit exklusiven Zusatzprodukten Geld machen. Im Falle von Reznor und seinem Rockprojekt Nine Inch Nails verkaufte sich die "Superdeluxe Edition" des Albums "Ghosts I-IV" mit Vinyl und Signierungen für 300 Dollar das Stück rasant. Newcomern rät Richter, mit solchen Bonusgaben zu experimentieren und - wichtig - "mit den Fans zu kommunizieren", um deren Vorlieben zu erfahren.
Wie ein Netzwerk zu künstlerischer Selbstbestimmung führen kann, demonstriert Rocko Schamoni eindrucksvoll. Doch der Hamburger Musiker, Autor und Regisseur sprach nicht nur davon, wie er mit befreundeten Kreativen Kunst produziert. Er erzählte auch von der Verfilmung seines Romans "Dorfpunks", zu der er den Soundtrack kompilierte. Tina Turners "Private Dancer" als Anti-Song zur Subkultur hätte für den Kinofilm 250 000 Euro gekostet - 50 000 mehr als das Musikbudget des Projekts. Ein - wenn auch stargebundenes - Beispiel, dass der Wertverfall von Musik nicht auf allen Ebenen stattfindet. Es heißt für Musiker also, auch auf geschäftlicher Ebene kreativ zu bleiben.




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