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Kultur & Live

Das neue Album der Rakes

Inspiriert von Friedrichshain

„Klang“ wurde im legendären Tonstudio der ehemaligen DDR eingespielt. „The Rakes“ sind rauer als zuletzt. Das könnte an Berlins kantigem Charme liegen.

Wer popmusikalisch passiv in der Haltung des Konsumierenden sozialisiert wurde, kann sein eigenes Älterwerden zum Beispiel an seiner Empfänglichkeit für neue Bands beobachten. Die sinkt naturgemäß. Das gab es alles schon, wirklich neu ist das nicht, langweilig: Das sind dann so die Kategorien, in denen geurteilt wird. Wer die Londoner Band The Rakes vor ein paar Jahren das erste Mal live sah, der musste feststellen: Ian Curtis hat einen begeisterten Nachahmer gefunden. Alan Donohoe, Sänger der Rakes, hampelt bisweilen mit großen Augen auf der Bühne herum wie weiland der Sänger von Joy Division. Man reibt sich verwundert die Augen angesichts derlei ungebremster Imitation und fragt sich "Darf der das eigentlich?"

Darf er eigentlich nicht, da hilft auch nicht die Einlassung, dass er keineswegs Curtis, sondern einen britischen Komödianten nachahme. Das glaubt ihm kein Mensch. Seine Rockband lässt sich freilich von den Sperenzchen ihres Vorturners nicht beeindrucken, und der macht sein unoriginelles Bewegungstalent dann auch durch eine kräftige Stimme wett, die den Mix der Rakes zwischen Punkrock und Postpunk moderiert. Die Rakes haben nicht die ganz großen Melodien, aber ihr nervöser Indierock kann einen doch mitreißen. Auf ihrem letzten Album "Ten New Messages" hatten sie mit "We Danced Together" eine lupenreine Pop-Nummer, auf der neuen CD sind die Musiker jedoch rauer als zuletzt.

Eingespielt wurde "Klang" zusammen mit dem New Yorker Produzenten Chris Zane in den "Planet Roc"-Studios in Ost-Berlin, den legendären Hörfunkstudios der ehemaligen DDR. Gitarrist Matthew Swinnerton hat zudem eine Hamburger Freundin, wie er beim Interviewtermin in der Kreuzberger Pfuelstraße berichtet auf der anderen Seite der Spree liegt Friedrichshain. Die Punks des Stadtteils finden in der ersten, "1989" betitelten Single ihre Erwähnung, und auch sonst hat die Hauptstadt Eindruck auf die Engländer gemacht. "Ich will, dass unser Album wie die Stadt klingt, in der wir arbeiten. Berlin bietet so viel Freiraum", sagt Swinnerton, der eine Brille wie John Lennon trägt und dadurch durchaus intellektuell wirkt. Seine Berlin-Erfahrung ist die vieler: "Die Geschichte scheint hier noch nicht abgeschlossen zu sein. Es gibt unglaublich viele Kontraste." Das Video zur Single wurde in Berlin gedreht, das Album "Klang" getauft nennen wir es die "deutsche" Phase der Rakes. Wenn jetzt noch ihr Sänger aufhören würde, wie ein ganz Großer vor bald 30 Jahren zu tanzen: dann könnte man sich durchaus anfreunden mit den Klängen aus Berlin.

The Rakes: Klang (Cooperative/Universal)

Bewertung: hörenswerttha

 

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