Regisseur schuf Fantasy-Abenteuer als Herausforderung an die Netzhaut
Tarsem Singh über seinen Film "The Fall"
Ein gelähmter Stuntman erzählt einem Mädchen eine abenteuerliche Geschichte - das ist die Story von "The Fall". Doch vor seinem neuesten Werk hat Tarsem Singh verschiedenste Experimentierfelder erkundet. Mit der Band R.E.M. drehte der indische Regisseur das Video zu "Losing My Religion", mit Jennifer Lopez den Film "The Cell". Hier geht’s zur Bildergalerie.
Foto: capelight
Ein gelähmter Stuntman erzählt im Krankenhaus einem neun Jahre alten Mädchen eine abenteuerliche Geschichte über einen schwarzen Banditen und seine Freunde, die von einem grausamen Herrscher verfolgt werden. Das Mädchen stellt sich die Geschichte bildlich vor, und diese Bilder sind von einer schier überwältigender Opulenz. In mehr als 20 Ländern hat der Regisseur Tarsem Singh sein unkonventionelles Fantasy-Abenteuer "The Fall" gedreht. Ein Bilderrausch ohne Stars, der eine Herausforderung für die Netzhaut ist. Drei Jahre nach dem Berlinale-Start läuft der Film nun in den Kinos.
So ungewöhnliche wie der Film ist auch seine Vorgeschichte. 17 Jahre lang, erzählt Regisseur Tarsem Singh dem Abendblatt, habe er die Schauplätze zusammengetragen. Er hatte eine vage Idee von der Geschichte. Was fehlte, waren ein Drehbuch und eine Hauptdarstellerin. Sein Bruder Arjit, der Produzent, frotzelte schon: "Wir enden als zwei alte Leute, die ständig über einen Film reden, den sie aber nie gemacht haben."
Zunächst drehte Tarsem mit Erfolg Musikvideos. Für das zum R.E.M.-Song "Losing My Religion" gewann er gleich den MTV Music Award. Auf Dauer gefiel ihm das Geschäft aber nicht. "Die Industrie hat damals viel Geld in etwas gepumpt, das keine Bilder benötigt. Außerdem veränderte sich mein Geschmack. Ich mag jetzt eher Folk und Klassik. Beides braucht keine Videos." Also ging er in die Werbung und wurde dort ein erfolgreicher Unternehmer.
Sein Spielfilmdebüt, der Science-Fiction-Thriller "The Cell" mit Jennifer Lopez war vor neun Jahren umstritten, aber optisch aufregend. Danach begann die Zeit des Wartens. Dann traf der Regisseur "Ich bin sehr hartnäckig" - die kleine Catinca Untaru und hatte seine Hauptdarstellerin gefunden. Privat war sein Leben gerade in Unruhe geraten. "Meine Freundin verließ mich, hatte nach drei Monaten einen anderen und wurde Mutter. Damals dachte ich: Was soll ich mit meinem ganzen Geld und sagte zu meinem Bruder: Lass es uns verbraten!"
Und zwar für "The Fall". Es war ein ungeheuer aufwendiges Projekt. Über den Etat schweigt sich Tarsem bis heute aus. "Ich habe eine Abmachung mit Arjit. Zehn Jahre nach dem Start schauen wir nach, wieviel Geld wir verloren haben. Sie müssen also noch acht Jahre auf eine Antwort warten. " Seine Freunde wie Spike Jonze oder David Fincher staunten nicht schlecht darüber, was er alles auf die Beine stellte und aus eigener Tasche bezahlte. An Fünf Tagen pro Woche saß er im Flugzeug. Der organisatorische Aufwand führte ihn an seine Grenzen. "Das alles hat ein Riesenchaos in meinem Kopf verbreitet." Kuriert hat es ihn offenbar nicht. Der 47-Jährige freut sich jetzt zwar darüber, dass sein Film doch noch den Weg in die deutschen Kinos gefunden hat, steht aber schon wieder kurz vor dem Start eines neuen Projekts. In "War Of The Gods" transportiert er griechische Themen in die Renaissance. Sein Motto dabei: Caravaggio trifft "Fight Club".
Tarsem, dem man sofort glaubt, dass er ein Freund der Ästhetik der Olympia-Filme von Leni Riefenstahl ist, lebt in London und Los Angeles. Der Inder hat mit der blühenden Filmindustrie seines Heimatlandes kaum noch Verbindungen. Er verließ das Land im Alter von 24 Jahren. Über Bollywood sagt er: "Früher war es mir peinlich. Heute sehe ich es mir wie eine Oper an und liebe es." Nach seinem Griechen-Epos hat sich Tarsem ein Remake der überschaulichen Geschichte von "Mein Dinner mit Andre" vorgenommen.
Der optische Gigantomane als Regisseur eines kleinen "Unplugged"-Films? Komische Vorstellung. Aber er will weg von der Opulenz. "Ich hoffe, dieser Affe klettert mir nie wieder auf den Rücken", hofft er.
"The Fall" läuft im UCI Smart-City




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