Auftakt: Dirigentin Simone Young über den Lichtern der Stadt
Kultursenatorin Karin von Welck (Kopftuch, dicker Mantel) gratuliert kurz vor dem ersten Ton Simone Young (schwarzer Hosenanzug, dünnes rotes Top, High Heels) noch schnell zum Geburtstag. Dann steigt die Dirigentin auf die obere Aussichtsplattform des Michel-Turms ins Kameralicht. Und gibt Punkt 18.30 Uhr 85 Meter über den Lichtern der Stadt und ihren Musikern irgendwo da unten den ersten Einsatz zur zweiten Symphonie von Johannes Brahms.
Eisiger Wind lässt Haare und Jacke flattern. Im Gesicht höchste Konzentration, auf der unteren Plattform ihr Assistent Alex Soddy mit Mantel, Decke und Teekanne. Man hört Autos hupen, Feuerwehrsirenen platzen in besonders zarte Takte. Nach 19 Minuten ist Werbepause auf Hamburg 1. Der Sender überträgt live. Simone Young wärmt sich kurz auf. Nachher sagt sie: "Die Wartesekunden vor jedem Satzbeginn waren die schlimmsten, beim Dirigieren spürt man die Kälte nicht mehr." Die Chefin gibt ihre Einsätze nur für eine Kamera. "Komisches Gefühl" aber sie weiß: Da draußen sitzen ihre Musiker und reagieren auf die kleinste Nuance ihrer Bewegungen.
Auf dem Turm gehen erste Handy-Meldungen ein: begeisterte Zuhörer auf der Reeperbahn, interessierte Jugendliche in der Jugendherberge der PR-Coup ist geglückt. Young dirigiert den letzten Satz in den Sprühregen, ihr Atem dampft im Scheinwerferlicht. 19.23 Uhr: Schlussakkord, Applaus, Blumen, ein heißer Tee. Die "Tagesthemen" warten aufs Interview. Und beim Aufwärmen hat Simone Young schon den Gedanken: Vielleicht kann man das im nächsten Jahr noch mal…



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