100 Musiker weckten an 50 Orten Klassibegeisterung
Brahms weht durch die Stadt
Mit dem größten Konzert der Welt werben die Hamburger Philharmoniker für sich selbst, schaffen es in die "Tagesthemen" und auch noch ins Guinness-Buch der Rekorde. Klar, dass die Freude bei der Aftershow-Party groß war. Simone Young denkt schon über eine Wiederholung nach. Bilder zum Konzert, symphonie/s/#g">Die Highlights der Nacht. Sehen Sie hier die interaktive Karte: blank">http://www.abendblatt.de/daten/2009/02/27/1066069. html
Foto: Michael Zapf
Hamburg. Am Montagabend wurde Hamburgs Innenstadt zum größten Konzertsaal der Welt: 100 Philharmoniker spielten an unterschiedlichen 50 Standorten ihren jeweiligen Part in Johannes Brahms’ Zweiter Symphonie. Ihre Chefin Simone Young schwarzer Hosenanzug, dünnes rotes Top und High Heels stand derweil auf der kleinen oberen Aussichtsplattform des Michel-Turms, 85 Meter über dem Erdboden, und dirigierte hochkonzentriert vor einer Kamera des Lokal-TV-Senders Hamburg 1.
Erster Einsatz: Schlag 18.30 Uhr, Schlussakkord 19.23 Uhr. Selbst dort oben mischten die Geräusche der Stadt die Symphonie auf: Feuerwehrsirenen tröteten in zart gehauchte Takte, Motorengebraus und der Hafenklang setzten neue, unerhörte Akzente.
Im Fernsehen konnten die Musiker und die Hamburg-1-Zuschauer überall in der Stadt sehen, wie Simone Young das PR-trächtige Tonkunstwerk interpretiert haben wollte. Bei vielen der öffentlichen Philharmoniker-Orte bildeten sich Zuhörergruppen, die Menschen erlebten Live-Klassik hautnah, konnten vorher und nachher mit den Musikern reden.
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Erste Schätzungen gehen davon aus, dass ungefähr 5000 Zuhörer live bei den Auftritten dabei waren. Im Restaurant "Carls", direkt gegenüber der Elbphilharmonie-Baustelle, sammelten sich die Musiker nach vollbrachter Symphonie und bekamen vom Guinness-Buch der Rekorde attestiert, dass sie das größte Konzert an unterschiedlichen Standorten hinbekommen hatten.
Bei der kleinen Feier herrschte große Freude darüber, dass die ungewöhnliche und anfangs auch im Orchester teilweise skeptisch beurteilte PR-Aktion in der Stadt so gut angekommen war. Größeres Selbstbewusstsein, das war zu spüren, hat das Experiment dem Orchester schon jetzt gebracht.
Simone Young, die am Michel-Turm während ihres windzersausten und unterkühlungsverdächtigen Dirigats tapfer die Zähne zusammengebissen hatte ("kalt ist es nur in den Sekunden vor dem Anfang, beim Dirigieren spürt man die Kälte nicht mehr") wurde in den Werbepausen von Hamburg 1 mit heißem Tee, ihrem Mantel und einer Decke auf dem Michel-Turm aufgewärmt. Sieben Fernsehteams von Hamburg 1 bis zu den "Tagesthemen" der ARD wollten Interviews zu dem ungewöhnlichen Werbe-Event.
Und als die Dirigentin, die an diesem Tag auch Geburtstag feierte, das gröbste Zittern überwunden hatte, überlegte sie schon laut, es gebe so viele Ideen wenn sich Sponsoren finden, könnte man ein solches Konzert beim nächsten Mal noch schöner hinbekommen.
Bleibt zu hoffen, dass jetzt auch Menschen, die den Philharmonikern in der wenig harmonischen Alltagsumgebung begegnet sind, auch mal den Weg in die Laeiszhalle zu den Philharmonischen Konzerten finden. Es würde sich lohnen: Man hört dort das Orchester komplett. Trocken, geheizt und windstill ist es dort außerdem.
PS: Wer das Live-Event am Montag abend versäumt hat, darf sich auf den Zusammenschnitt im Internet bei www.abendblatt.de - freuen; er soll Ende der Woche online zu sehen sein.




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