Philharmoniker-Konzert in der Laeiszhalle
Pflichtstück und Virtuosen-Kür
Philharmoniker-Gastdirigent Yutaka Sado gratulierte zum Mendelssohn-Jubiläum mit dessen "Italienischer" Sinfonie, Dmitry Sitkovetzky spielte das Dutilleux-Violinkonzert in der Laeiszhalle.
Foto: dpa
Hamburg. Es ist schon merkwürdig: Anlässlich des 200. Geburtstages von Felix Mendelssohn Bartholdy werden die Gratulanten nicht müde, das umfangreiche Œuvre des in Hamburg geborenen Jubilars zu loben und seine nur punktuelle Verbreitung zu bedauern. Bei den Festkonzerten erklingen dann aber stets dieselben Werke, die "Italienische" beispielsweise, zuletzt bei der Camerata und nun beim sonntäglichen Matinee-Konzert der Philharmoniker.
Deren Strategie, Originalitätsmangel durch Orchestermasse zu kompensieren, ging allerdings nicht auf. Die große Besetzung entfaltete dank geschickter Tempi zwar Schwung, ließ die Ecksätze aufleuchten und sorgte dafür, dass in den Mittelsätzen die Linien nicht abrissen. Doch was Mendelssohns Musik unter der glänzenden Oberfläche interessant macht, die filigranen, sich überkreuzenden Fortspinnungen, die imitatorischen Einsätze der eingeschobenen Fugati, all das ging im allgemeinen Klangmeer unter. Dirigent Yutaka Sado - ansonsten gut aufgelegt - hätte hier ordnend eingreifen müssen.
Henri Dutilleux’ diffiziles Violinkonzert "Der Baum der Träume" hingegen beeindruckte mit wohl abgestimmten Klangfarben, etwa, indem Holzbläser den Nachhall von Vibraphon und Röhrenglocken aufnahmen und an die Streicher weitergaben. Solist Dmitry Sitkovetzky schwang sich vogelgleich ein ums andere Mal aus dem Unterholz der dunklen Streicher auf, um über dem Tutti-Geäst auf einem Flageolett in der Baumkrone Platz zu nehmen. Hätte Sitkovetzky auf sein Notenpult verzichtet, wäre der Kontakt zu Orchester und Publikum aber wohl enger ausgefallen.
So blieb es dem "Divertissement" Jacques Iberts vorbehalten, für den höchsten Unterhaltungswert und in Form eines Hochzeitsmarsch-Zitats für den charmantesten Mendelssohn-Geburtstagsgruß zu sorgen. In Kammerbesetzung kosteten die Philharmoniker die geistreichen und selbstironischen Einfälle Iberts genussvoll aus, klanglich geeint vom Gastkonzertmeister Wagner und animiert von Yutaka Sado, der beim Walzer hüftschwingend sein Dirigentenpult umtänzelte.
Konzertwiederholung: Mo. 9.2., 20 Uhr, Laeiszhalle, Gr. Saal




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