Franz Ferdinand: "Tonight: Franz Ferdinand"
In einer Reihe mit den Beatles
Die englischen Musikmagazine hatten offensichtlich vom dritten Album ein Wunderwerk erwartet. Das blieb jedoch aus, deshalb bekam „Tonight: Franz Ferdinand“ auf der Insel fast durchweg nur mittlere Bewertungen, meistens drei von fünf Sternen.
Wenn man die Erwartungshaltung herunterschraubt und den zwölf neuen Songs mit offenen Ohren zuhört, finden sich eine Vielzahl sehr schöner Songs, die einerseits typisch nach Franz Ferdinand klingen, andererseits eine Entwicklung von schnellem Gitarrenrock hin zu erwachsenen Popsongs deutlich machen. Dem dritten Werk der vier Schotten fehlt vielleicht ein Kracher wie "This Fire" oder "Take Me Out", dafür ist die musikalische Bandbreite der Band gewachsen. Das acht Minuten lange "Lucid Dreams" ist im zweiten Teil eine reine Elektro-Nummer, "Live Alone" verbindet Elektro mit breitem Gitarrensound, "Send Him Away" benutzt afrikanische Rhythmen und zum Schluss der Platte gibt es mit "Katherine Kiss Me" ein akustisches Schlaflied.
Doch geblieben sind die Schaukelrhythmen und "Lalala"-Chöre wie bei "Ulysses" und die groovenden Gitarrenbeats wie bei "Turn It On". Auffallender als bei den beiden vorherigen Alben der Band aus Glasgow ist die Rolle von Bassist Robert Hardy, der knochentrockene Läufe spielt, die an Gang Of Four erinnern. Auch der Einfluss einer anderen britischen Band der 80er-Jahre ist unüberhörbar: Mit ihrer neuen Leichtigkeit erinnert Franz Ferdinand an XTC, die wiederum in ihrer Zeit als Nachfolger der Beatles galten. Und das ist doch eine schöne Reihe, in der Franz Ferdinand nun heute steht.
Franz Ferdinand: "Tonight: Franz Ferdinand" (Domino Records) www.franzferdinand.co.uk Bewertung: hörenswert





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