Konzert: Oasis überzeugt ihre Fans in der ausverkauften Sporthalle
Rückkehr der Rock-'n'-Roll-Stars
7000 Hamburger und Engländer feierten am Freitag die Band um die zwei streitbaren Brüder Gallagher.
Hamburg. Vielleicht haben Liam und Noel Gallagher demnächst mal bessere Laune, schließlich schickt sich "ihr" Fußballklub Manchester City gerade an, mit frischen Millionen aus Abu Dhabi Kaka vom AC Mailand und HSV-Kicker Nigel de Jong abzugreifen, um mal die unteren Niederungen der Tabelle zu verlassen - und um dem verhassten Rivalen Manchester United einen zu verpassen.
Am Freitag in der ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle jedenfalls erscheinen die Gallaghers mit ihren Kollegen Andy Bell und Gem Archer sowie Neu-Schlagzeuger Chris Sharrock zwar relativ pünktlich, aber gewohnt mürrisch und wortkarg auf der Bühne - ganz der Typus "Rock-'n'-Roll-Star", um es mit dem ersten Song zu sagen. Auch der Mischer ist schlecht drauf (oder ist heimlicher United-Fan) und verpasst den von großen LED-Leinwänden illuminierten BritPop-Ikonen anfangs einen auch für Sporthallen-Verhältnisse ziemlich miesen Sound, der erst im Verlauf des Abends besser wurde. Den 7000 Fans ist das aber nicht so wichtig, schließlich verehren sie Oasis auch für die plakative Unberechenbarkeit, für all die kleinen und großen Chaos-Anekdoten, mit der die Band seit dem endgültigen Durchbruch 1995 mit dem zweiten Album "(What's The Story) Morning Glory?" Schlagzeilen liefert. Ein guter Teil lautstarker Landsleute folgte den Jungs sogar nach Hamburg und mischt sich unter das bunt gemischte Ü25-Publikum aus Hamburger Oasis-Fans, Exil-Briten und norddeutschen Mods: Ein buntes Sprachgewirr aus englischen Akzenten und Deutsch herrscht in der Halle, im Umlauf und an den Bierständen.
Denn trotz allem Gezeters innerhalb der Band und um sie herum: Solange sich Noel und Liam 100 Minuten zusammenreißen, solange Liam noch mit schräg verrenktem Körper bei "Waiting For The Rapture" oder "The Masterplan" sauer mit der richtigen Tonlänge und Tonhöhe spielt, solange lebt das Phänomen Oasis weiter. Und große Melodien, den besonderen Song, die gewisse Ausstrahlung haben die Manchester-Maestros (besser: Diven) nach wie vor.
Anfangs noch zögerlich, erhebt sich das Publikum spätestens in der zweiten Hälfte des Konzertes zur Massenhuldigung. Es feiert neue Songs vom aktuellen Album "Dig Out Your Soul" wie "I'm Outta Time" ebenso wie die Radio-Klassiker der 90er-Jahre, "Wonderwall" und "Don't Look Back In Anger". Nicht zu vergessen das vorerst abschließende, melodiös-krachende Glanzstück "Champagne Supernova". Ode an die Freude in der Halle.
Und dann sind ja da auch noch die Beatles, untrennbar mit Hamburgs Geschichte verbunden. Oasis, die erklärten Beatles-Verehrer und -Nachahmer, die von 2004 bis 2008 Ringos Sohn Zak Starkey als Trommler beschäftigten, intonieren "I Am The Walrus" für ein großes "Wooo"-Finale, für den entscheidenden Treffer in der Nachspielzeit und für den Ohrwurm auf dem Heimweg. Drei Punkte für Oasis, für "City", vor allem verdient durch eine starke zweite Hälfte nach zurückhaltender Anfangsphase. Nicht schlecht für vermeintlich satte und arrogante Millionäre.















