Mord: Drei Fälle, die Mediengeschichte geschrieben haben
Wenn das Lamm zum Wolf wird
"Was muss passieren, bevor eine Frau tötet?", hat sich der Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort gefragt. Der NDR wertet seine Erkenntnisse in der Doku-Reihe "Wenn Frauen morden" aus.
Hamburg. Maria Horn, sechsfache Mutter und vielfache Großmutter, vergiftete zwischen 1963 und 1982 in Mönchengladbach ihren Vater, ihre Tante, zwei Ehemänner und einen Lebensgefährten mit dem Pflanzenschutzmittel E 605, weil sie ihr "im Weg waren". Ruth Blaue tötete 1946 in Elmshorn zusammen mit ihrem Liebhaber ihren Mann, weil er sich nicht scheiden lassen wollte. Susanne Hecht in Frankfurt/Oder, Mutter von vier Kindern, erlangte traurige Berühmtheit mit den Leichen von neun Babys, die sie in Blumenkübeln versteckte. Die Kölner Altenpflegerin Brigitte Krolzig wurde wegen siebenfachen Raubmordes an alten Menschen zwischen 1986 und 1991 verurteilt; die Kripo geht jedoch davon aus, dass sie bis zu 17 Menschen tötete und es bei weiteren versuchte.
Demnach wäre nicht ein Mann, sondern eine Frau "der gerissenste und gefährlichste Gewaltverbrecher der deutschen Nachkriegsgeschichte", schreibt der Düsseldorfer Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort in seinem neuen Buch "Wenn Frauen morden".
Harbort ist all diesen authentischen Fällen nachgegangen und hat aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nur die Namen verändert. Drei Fälle stellt die ARD jetzt in der dreiteiligen Doku-Serie "Wenn Frauen morden" vor.
Was sind das für Frauen? Was musste passieren, bevor eine Frau zu solchen Taten fähig war? Zwar gilt für Frauen immer noch ein Geschlechts-Bonus: Die Frau an sich, so die öffentliche Meinung, ist weniger triebgesteuert, weniger störanfällig, zu schwach und weniger gewaltbereit als der Mann.
Richtig ist, dass Frauen seltener morden. Aber vor allem töten sie anders. Nach der Kriminalstatistik sind Frauen nur zu 15 Prozent am Straftatbestand Mord beteiligt und zu zwölf Prozent bei Totschlag. Am häufigsten töten sie Intimpartner - also Ehemänner und Lebensgefährten -, Kinder, Bekannte oder kranke und schwache Menschen, die ihnen anvertraut sind. Frauen beseitigen ihren Mann oder Geliebten, wenn die Beziehung zu eng, zu behindernd, gewalttätig geworden ist, wenn sie im Mann eine Bedrohung für das eigene Leben oder das ihrer Kinder sehen. Wenn sie Schulden vor ihm vertuschen wollen. Oder wenn sie endlich frei für einen anderen sein wollen - wie Christel Müller, die ihrem Mann ein Päckchen mit vergiftetem Enzianschnaps schickte. Eine Scheidung hätte sie das Sorgerecht für ihre Kinder gekostet.
Aber die Tat wird eben nicht konfrontativ im Affekt begangen, sondern ist Endpunkt einer oft langen, bedrückenden Vorgeschichte. Die meisten der Täterinnen meiden die Konfrontation, eine beharrliche Auseinandersetzung, sie ordnen sich lange unter. Bis aus dem vermeintlichen Lamm ein Wolf wird.
Manche Frauen morden auch schlicht aus Habgier. Bei den bekannt gewordenen Fällen von Altenpflegerinnen oder Krankenschwestern, die Patienten töteten, spielten auch Machtgefühle und der Hunger nach Anerkennung eine Rolle. Die "nette, tüchtige Altenpflegerin" Krolzig hatte nicht einmal eine fachliche Ausbildung. Trotzdem sahen Angehörige der Opfer, Hausärzte, Angehörige, sogar Krankenkassen und Sozialämter lange weg - obwohl sie bereits wegen Betrug und Unterschlagung vorbestraft war.
Die ARD-Serie beginnt mit dem Fall der Gattenmörderin aus Elmshorn: ein typischer Konflikt in der unmittelbaren Nachkriegszeit, als viele Ehemänner aus dem Krieg heimkehrten und feststellten, dass ihre Frauen notgedrungen ein eigenes Leben aufgebaut hatten.
Die frühere Hamburger Justizsenatorin Lore-Maria Peschel-Gutzeit erklärt die rechtliche Lage zu einer Zeit, als Frauen gesetzlich noch gegenüber dem Ehemann benachteiligt waren. Auch das hat manchen Mord begünstigt.
"Wenn Frauen morden" läuft heute um 21 Uhr im NDR, die Teile 2 und 3 (jeweils 45 Minuten) am 19. und 26. Januar.



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