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Kultur & Live

The Clintwood Show: Das Trio gewinnt den neuen Karostar-Musikpreis

Kesse Lippe, coole Beats

Das Musikhaus auf St. Pauli zeichnet eine Hamburger Band aus, die mit frischem Sound in den Startlöchern ist.


Foto: Marcelo Hernandez

Hamburg. Mitunter kann ein richtig mieser Job der Start sein für richtig gute Musik. Vor vier Jahren lernten sich Stepha Zanella und Timor Litzenberger in einem Coffeeshop in Hamburg kennen. Nicht vor, sondern hinterm Tresen. "Eine schreckliche Arbeit", sagt Zanella.

In ihrer Stimme schwingt der Akzent ihrer kanadischen Heimat mit. Und etwas Cooles, Kesses. Attribute, die sie gekonnt einsetzt, wenn sie als Hip-Hop-Diva Frau Zapatista ihren Sprechgesang durchs Mikrofon schickt. Der frische, lässige Mix mit den Elektrobeats ihres Freundes Timor alias Clintwood überzeugte schließlich auch die Jury des Karostar-Preises, den das Musikgründerzentrum jetzt erstmals vergeben hat.

Mehr als 40 Hamburger Nachwuchsbands und Solo-Künstler von Rock bis Soul hatten sich beworben. Unter den Top 3 waren auch die Indie-Rocker Complaints Dept. und die Gitarrenpop-Combo Tonbandgerät. Die Expertenrunde, darunter Kettcar-Bassist Reimer Bustorff und das Elektro-Duo Digitalism, wählte schließlich den Clintwood-Song "Why Don't You Dance With Me" als innovativsten Beitrag. Zapatista erzählt in der Nummer zum fetten, tanztauglichen Knarzen von einer Nacht, in der sie alleine durch die Klubs zieht, weil ihr Freund zu Hause im Bett bleiben will. Rap und Rufe hallen dunkel, satt und heiser. Stets kurz vorm Kippen kriegt ihre Stimme doch immer wieder grandios die Kurve.

"Wir wussten, wie gut der Song ist, waren dann aber schon überrascht, dass das endlich mal jemand erkennt", sagt die 37-Jährige über den Karostar-Preis, für den die Band nicht nur 1000 Euro erhält, sondern auch die Chance, sich eine Stunde lang beim Internet-Radio ByteFM zu präsentieren. Eine gute Gelegenheit. Denn wie viele noch unbekanntere Acts arbeiten sie daran, die erste Hürde zu nehmen. Und die heißt: Aufmerksamkeit erzielen.

"Es ist schwierig, Auftritte zu bekommen. Und wenn du einen Gig hast, ist es schwierig, Publikum zu kriegen ohne Leute, die Promotion machen", erklärt Michael "Grabi" Grabinger. Der Schlagzeuger komplettiert die Formation, die sich live "The Clintwood Show" nennt. Und wie der 25-Jährige 2007 zu den beiden stieß, ist eine Geschichte, wie sie die Musikbranche nur in Zeiten des Internets schreiben kann. "Grabi hat mich über MySpace kontaktiert", erzählt Litzenberger. "Ich habe mir seine Sachen angehört und ihn gefragt, ob er nicht im Terrace Hill live zu unserer Musik Schlagzeug spielen will." Die erste Probe war dann direkt auch der Soundcheck zum Konzert.

Um eine Ahnung vom Geldverdienen zu bekommen, ist die Bühne für das Trio ohnehin wichtiger als eine Veröffentlichung auf CD oder bei einem Internet-Label. Andererseits sei ein Tonträger aber nach wie vor noch die beste Möglichkeit, um eine Booking-Agentur zu finden, erläutert Litzenberger die Marktmechanismen. Deshalb richtet sich der 29-Jährige auch gerade ein eigenes Studio ein. Erfahrung hat der Lüneburger, der seit sieben Jahren in Hamburg lebt, ausreichend.

"Schon als Zehnjähriger habe ich mit Kassettenrekordern experimentiert", erinnert er sich. "Auf dem einen lief ein Kinderlied, auf dem anderen Radio-Mitschnitte. Und mit dem dritten Gerät habe ich einen neuen Mix aus beidem aufgenommen." Später arbeitete der Produzent auch mit Alltagsgeräuschen, etwa dem Rhythmus einer Kopiermaschine. Oder er nahm eine quietschende Spindtür auf, die er in sein Midi-Keyboard programmierte und so diesen gespeicherten Sound heute noch spielen kann. Sogenannte Samples-Libraries, also Sammlungen, die Klänge wie Bücher archivieren, nutzt Litzenberger ungern. "Timor kann richtig geile Beats bauen", sagt Zanella. Und künftig kann sie ihm direkt dabei zuhören, während sie ihre leckeren Käsekuchen backt. Denn sein Studio liegt im Keller ihres neuen Cafes Don't Tell Mama in der Paul-Roosen-Straße 41. Auch ein Coffeeshop, aber ein individueller. Und ein richtig guter Kaffee kann ja auch ein Start sein für richtig gute Musik.


www.myspace.com/clintwoodmusic

 

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