Haus 73: Einakter von Neil LaBute
Alltägliche Katastrophen, glänzend gespielt
Leben wir nicht alle an der Schwelle zwischen Illusion und Wirklichkeit? Warum überhaupt noch ins Theater gehen, wenn wir im Leben Theater spielen?
Hamburg. Leben wir nicht alle an der Schwelle zwischen Illusion und Wirklichkeit? Warum überhaupt noch ins Theater gehen, wenn wir im Leben Theater spielen? Um genau das zu erkennen, was wir nur zu gern bereit sind zu vergessen: nämlich, dass wir lieber einfach weitermachen wollen als aufzuhören mit Lügen, Betrügen und tatenlosem Zuschauen. Lieber Weihnachtseinkäufe machen als "reinen Tisch" - genau wie das Ehepaar in "Helter Skelter".
Die drei kurzen Stücke von Neil LaBute sind beschämend komisch und tragisch mit unserer Art zu denken und zu leben verknüpft - und gerade darum glänzendes Theater. Oliver Törner und Miriam Fiordeponti spiegeln mit boulevardeskem Witz die Durchschnittlichkeit eines gestressten Paars - bis die Tragödie zuschlägt: Weil der Schritt über die Grenze hinweg gewagt wird, von dem Cino Djavid als Killer mit unwiderstehlich bösem Bubencharme in "Ich mag dich wirklich" schwärmt.
Auch im banal erscheinenden, aber von Annette Uhlen und Oliver Sauer doppelbödig gespielten "Land der Toten" verbirgt sich eine Katastrophe: Es sind Stimmen aus dem Jenseits. Peter Löscher und Alexander Kohlmann inszenierten mit viel Fingerspitzengefühl für das Dialog-Pingpong. Und den Spielern gelang das Kunststück, von Anfang an spüren zu lassen, dass hinter der normalen Oberfläche etwas nicht stimmt und der schöne Schein trügt.
Helter Skelter 25., 26., 27., 31.1. und 1.2., 20.30 Uhr, Kulturhaus 73, Karten: 31 97 55 515



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