RTL überträgt die Weltmeisterschaft der Männer in Kroatien mit Spidercam und in Superzeitlupe.
Hamburg. Von der Decke der "Turnhalle St. Georg" baumeln Ringe und ein Knotenseil, um die Geräte sind schwarze Handtücher geschlagen. Doch es riecht nicht nach Schweiß und Gummisohlen, sondern nach Bruschetta, Lachsschnittchen und Latte macchiato. Ein passendes Ambiente mithin, um über Handball zu sprechen, hat diese Sportart doch binnen weniger Jahre den Sprung aus dem miefigen Provinzmilieu in die glitzernden Multifunktionsarenen der großen Metropolen geschafft. Und eine Kulisse wie gemalt für RTL, das in dem Szenerestaurant seine Pläne zur Handballweltmeisterschaft der Männer in Kroatien (16. Januar bis 1. Februar) präsentierte.
Im vergangenen Jahr erwarb der Privatsender die Fernsehrechte an dem Turnier, Verzeihung, Event natürlich. Sollte die Handball-WM dieses Prädikat noch nicht verdienen, dann wird RTL schon dafür sorgen, das machten die TV-Macher gestern deutlich. Dafür spricht schon, dass für die Moderation Marco Schreyl verpflichtet wurde, der bisher für Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" und "Unglaublich - Die Show der Merkwürdigkeiten" stand.
"Wir wollen die Kraft und Ästhetik des Handballs näherbringen und den Sport verständlicher machen", sagt RTL-Sportchef Manfred Loppe. Aus bis zu 26 Kameraperspektiven und mit innovativen Technologien wie der Spidercam und Superzeitlupen will man vor allem die jüngeren weiblichen Zielgruppen ansprechen.
Formel 1, Boxen und Skispringen hat RTL schon erfolgreich aus dem Nischendasein geholt und zum Massenspektakel hochgejubelt. Beim Handball legen sich die Kölner in ein gemachtes Nest. Vor knapp zwei Jahren schalteten bis zu 20 Millionen Zuschauer ARD ein, als die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand sensationell den Titel gewann. Und das muss für Horst Bredemeier, den Vizepräsidenten des Deutschen Handball-Bundes, noch nicht die Grenze sein: "Wir können mit RTL zusätzliches Zuschauerpotenzial erschließen." Auch weil erstmals alle deutschen Partien einheitlich um 17.30 Uhr angeworfen werden.
Eine "neue Art des Umgangs mit dem Handball und neue Gesichter" verspricht Markus Baur. 2007 gehörte er zu den Helden des oft bemühten Wintermärchens. Inzwischen ist der 37-Jährige ins Trainerfach gewechselt und steht Schreyl in Kroatien als Experte zur Seite. Allürenfreie Stars wie er oder der Hamburger Pascal Hens sind es, die Loppe ins Schwärmen geraten lassen: "Diese Typen sind ein Traum."
Was aber, wenn "Der ganz große Wurf!", um es mit dem Sender-Slogan zu sagen, ausbleibt? Bei Olympia schied Deutschland in der Vorrunde aus, seither befindet sich die Mannschaft im Umbruch. Dieses Risiko gehöre beim Sport nun einmal dazu, sagt Loppe: "Aber wir wollen den Elfmeter reinmachen." Dass der Strafwurf beim Handball aus sieben Metern erfolgt und das lokale Bundesligateam nicht Hamburger SV, sondern HSV Hamburg heißt, werden sie bei RTL auch noch lernen.











