Advent! Zeit, zu schenken. Hamburgs Musiker gehen mit bestem Beispiel voran. Der Hip-Hopper Jim Pansen rappt gratis. 1000Robota rockt umsonst. Und auch in Internet und Fernsehen lässt sich Pop aus der Hansestadt für lau erleben – von Neuem wie Altona TV bis zu Historischem wie „Bernd im Bademantel“. Was sonst noch los ist? Das „Symposium für Feminismus und Popkultur“ beispielsweise. Und: Die coole Elektro-Rap-Formation Clintwood hat den Karostar-Musikpreis gewonnen. Was für ein Geschenk!
Weihnachten, Zeit der Geschenke. Das muss nicht immer was kosten. Man kann ja auch mal was selber machen. Musik zum Beispiel. So wie der Hamburger Hip-Hopper Jim Pansen. Der war im vorigen Leben mal Drummer der Popband Echt. Jetzt bastelt er Beats wie andere Strohsterne. Und weil seine Fans dieses Jahr so brav waren und fleißig sein Album "Jim Pansen und die verbotene Frucht" gehört haben, lädt der 27-Jährige zum Gratis-Gig ins Knust (Neuer Kamp 30). Am 18. Dezember dürften wir mit dem smarten Sprechsänger und einigen Überraschungsgästen die Wartezeit aufs Christkind verkürzen. Das Glöckchen bimmelt um 21 Uhr.
Und wer schlichtweg zu faul oder fröstelnd ist, um vor die Tür zu gehen, der kann auch massig Musik aus Hamburg zuhause auf dem Rechner oder im Fernsehen erleben. Tatsächlich mal festlich dürfte es am 4. Dezember ab 21 Uhr bei Tide-TV zugehen. Im Hamburger Musikmagazin "Neue Helden" ist die Aufzeichnung der Lausch-Lounge aus dem Mariendom zu sehen. Zur Wiedereröffnung des Gotteshauses in St. Georg gaben sich jüngst die Hamburger Pop-Künstler Anna Depenbusch, Timo Breker, Johannes Oerding und Graziella Schazad die Ehre. Verbal angereichert wird der Mitschnitt von Lausch-Lounge-Initiator Michy Reincke im Gespräch mit Moderator Matthias Lorenz-Meyer. Das diese Sendung nicht längst vom pop-unterversorgten, öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufgekauft worden ist, ist schlichtweg ein Wunder.
Die Internet-Filmstelle YouTube ist ja ohnehin die herrlichste Fundgrube. Fast wie Geschichtsfernsehen mutet es an, sich längst vergangene Folgen von "Bernd im Bademantel" anzuschauen zum Beispiel den Teil, in dem Tocotronic zu Besuch waren in der Ein-Zimmer-Wohnung in Rothenburgsort. Lange vor Dittsche lud "Hamburger Schule"-Urgestein Bernd Begemann 1996 im Morgenrock samt gut sichtbarem Brusthaar-Dekolletee zum Low-Budget-Talk. Märchenonkel Hans Paetsch sprach die Kommentare aus dem Off, während der Liedermacher vor seiner Plattensammlung essentielle Fragen stellte: "Kann man wirklich berühmt werden mit einer solch schäbigen CD-Hülle?" Nerd-Charme vom Feinsten. Nach nur drei Folgen setzte der NDR die Sendung ab. Um mit Tocotronic zu sprechen: "Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit".
Gute Zukunftschancen hingegen dürften die jungen Macher von AltonaTV haben. Das Format versteht sich trotz des stadtteil-bezogenen Namens als "Internetfernsehen für Hamburg und den Rest der Welt". Und unter dem Menüpunkt Musik geht’s durchaus innovativ zur Sache. Moderatorin Gesa interviewt die Elektro-Punker Egotronic im Fahrstuhl des Bunkerklubs Uebel & Gefährlich oder plaudert mit Thees Uhlmann auf dem Dach des Altonaer Bahnhofs. Flotte Schnitte, frische Fragen
Popkulturelle Frauenpower ist auch am 6. und 7. Dezember in Hamburg in konzentrierter Form zugegen. Das Frauenmusikzentrum lädt zum "Symposium Feminismus und Popkultur" in die Große Brunnenstraße 63a. Musikerinnen wie Catharina Boutari, Produzentinnen wie Maya Sternel und Autorinnen wie Kerstin Grether hinterfragen das nach wie vor männlich geprägte Musikgeschäft und diskutieren die Rollen der Frauen darin. Titel des 1998 gestarteten Netzwerks: Espressiva. Klingt gut!












