Showdown: An diesem Sonntag wird der Mordfall Nanna Birk Larsen gelöst
"Kommissarin Lund": Dänen lügen doch
Gerissen, finster, abgründig: das mit Spannung erwartete Finale.
Serie: Kommissarin Lund. So, 22.00 Uhr ZDF
Ja, wer denn nun? Wer hat die Schülerin Nanna Birk Larsen brutal umgebracht? War's der Vater, der ständig wie ein schlecht gelaunter Tanzbär unter seiner Pudelmütze herumgrummelt? Einer der bei ihm arbeitenden Möbelpacker, getreu der Kriminologen-Faustregel "Man begehrt, was man sieht"? War es der schmierlappige Kopenhagener Oberbürgermeister? Sein Gegenkandidat, der in einer intrigensaftigen Wahlkampf-Schlammschlacht auf dessen Ablösung im Rathaus hofft? Oder war es womöglich der griesgrämige, wortkarge Vorgesetzte von Sarah Lund, die so verbissen nach dem Täter sucht, dass sie ihr eigenes Privatleben aufs Spiel setzt? Klar ist nur eins: Otto Waalkes hat unrecht. Dänen lügen doch. Seit mehr als zwei Monaten ist der meistens gepflegt dahinerzählte Sonntags-"Tatort" lediglich eine harmlose Fingerübung zum Aufwärmen für "Kommissarin Lund", die mit Abstand gerissenste, finsterste und abgründigste Krimi-Reihe, die das ZDF seit Langem sich und seinem Stammpublikum gegönnt hat. Das Suchtpotenzial? Enorm.
Fündig wurden die Mainzer Einkäufer ein weiteres Mal im vermeintlich beschaulichen Dänemark. Dort fegte "Forbrydelsen" mit einer Mörder-Quote von bis zu 80 Prozent die Straßen leer, hierzulande kam sie trotz einer entschieden zahlreicheren Senderkonkurrenz auf sehr beachtliche 15 Prozent Marktanteil. Bei den Emmys ist "Lund" in der Kategorie "Beste Serie" für einen TV-Oscar nominiert und Sofie Gråbøl als "Beste Hauptdarstellerin".
Wonderful, wonderful Copenhagen? Von wegen. Meistens ist es dort düster und geheimnisvoll. So geheimnisvoll, dass Shakespeare wieder mal recht behält. Es ist eine Menge faul in diesem Staat. Drehbuchautor Søren Sveistrup hat seine Hausaufgaben gründlich gemacht. Er hat sich von Dürrenmatts "Das Versprechen" ebenso inspirieren lassen wie von David Lynchs "Twin Peaks", hat bei "24" oder "Murder One" gelernt, wie man Spannung über sehr lange Zeit aufbaut und hält und komplexe Handlungsstrickmuster entwirft. Wie man die Zuschauer immer wieder in Sackgassen laufen lässt. Dieser Mordfall ist mehr als ein x-beliebiges Gewaltverbrechen für den schnellen TV-Konsum, er ist eine episch erzählte Parabel für das Schlechte unter der nur dünnen heilen Oberfläche der Gesellschaft.
Auf der ZDF-Website zum 1000-Minuten-Zehnteiler kann man noch bis zur Auflösung abstimmen, wer wohl der Mörder ist. 36 Prozent der 24 000 teilnehmenden "Lund"-Süchtigen tappten bislang gespannt im Dunkeln. Ein Trost gegen den Finale-Blues: Die Dreharbeiten für die zweite "Lund"-Staffel haben bereits begonnen.
Infos: www.lund.zdf.de. Die komplette erste Staffel ist von Montag an auf DVD erhältlich.



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