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Kultur & Live

Ruth Maria Kubitschek: Sie schreibt, spielt und glaubt an Inkarnation

Ich war Grete, kein Gretchen

Im Theater, bei Film und Fernsehen erspielte sie sich einen großen Namen. Ihre TV-Rollen - meistens Liebesgeschichten - schreibt sie sich auf den Leib. Auch ihr neuer Roman handelt von Sehnsucht und Liebe.


Foto: Z

Hamburg. In jungen Jahren war Ruth Maria Kubitschek eine bedeutende Theaterschauspielerin. In der DDR. Kein Geringerer als der Regisseur Fritz Kortner entdeckte sie für den Westen und machte sie auch hier bekannt. Kortner war damals ein Theatergott, ist es bis heute. Er prägte eine gesamte deutsche Regiegeneration. Doch wirklich berühmt wurde Ruth Maria Kubitschek erst durchs Fernsehen und mit Anfang 50 in einem Alter, in dem andere Schauspielerinnen schon mal darüber nachdenken, in Rente zu gehen, weil das Rollenangebot rar wird. Bis heute ist die 77-jährige Kubitschek gut im Geschäft, zuletzt sah man sie oft als späte Liebende, in Rollen, die sie sich in ihren Büchern selbst auf den Leib geschrieben hatte. Auch in ihrem neuen Buch, "Im Fluss des Lebens" (Verlag Langen/Müller, 295 S., 19,90 Euro) geht's um Liebe und Tod. Wir sprachen mit Ruth Maria Kubitschek über Disziplin, Filmträume und die Kraft der Steine.


Hamburger Abendblatt:

Zuletzt haben Sie in Kanada gedreht, kurz nachdem Sie eine komplette Zahnsanierung hinter sich hatten und nur noch via Strohhalm essen konnten. Zusätzlich gingen Sie am Stock. Wie arbeitet man unter solchen Belastungen?

Ruth Maria Kubitschek:

Ich hatte einen Bandscheibenvorfall, hab mir Spritzen geben lassen, damit ich nach Kanada fliegen konnte. Ich ging dann am Stock. Das ist in den ersten beiden Drehwochen gar nicht aufgefallen, ich hab die Rolle mit einem Hüftleiden angelegt. Und dass ich nur Brei essen konnte, war nicht schlimm. Ich hab ein bisschen abgenommen.



Abendblatt:

Das Publikum sieht Sie eher als Gutsherrin, umgeben von Personal und Annehmlichkeiten.

Kubitschek:

Ja, das ist Fernsehen. In Wahrheit stehen wir um sechs Uhr auf, sitzen erst mal in der Maske. Wenn man Pech hat, dauert ein Drehtag bis abends halb zwölf. In Kanada mussten wir eine Stunde bis zum Drehort fahren, und es hat pausenlos geregnet. Unter unseren Röcken trugen wir kniehohe Gummistiefel, damit wir überhaupt gehen konnten. Es war sehr kalt. Die Autos sind im Matsch versunken. Aber gesehen hat man davon im Film natürlich nichts. Dreharbeiten sind körperliche Schwerstarbeit. Man braucht für diesen Beruf sehr viel Disziplin.



Abendblatt:

Sind Sie diszipliniert?

Kubitschek:

Das war ich mein Leben lang. Wenn ich nicht diszipliniert gewesen wäre, hätte ich das alles nicht überstanden.



Abendblatt:

Und die Liebe, die Ihnen im Alter in Ihren Filmen oft begegnet?

Kubitschek:

Das hab ich mir selbst so geschrieben. Ist doch schöner so. Die Liebe hört nicht auf. So was kann passieren.



Abendblatt:

Meist sieht Ihr Partner gut aus.

Kubitschek:

Viele schöne Männer gibt's leider nicht. Aber Schauspieler schon. Vielleicht ist das nicht ganz realistisch oder lebensecht. Aber wir sollen ja im Film Träume erfüllen. Also, bitte, da sind sie.



Abendblatt:

Sie sehen viel jünger aus, als Sie sind. 77-Jährige können sich vielleicht nicht unbedingt mit Ihnen identifizieren.

Kubitschek:

Ich habe ein schweres Leben gehabt, als Kind sehr schwer gearbeitet, aber ich denke, es liegt an uns selbst, wie wir aussehen. Bei jedem Tiefschlag hab ich gedacht, hier unten will ich nicht bleiben, und bin wieder aufgestanden. Das macht stark. Vielleicht strahle ich das aus. Ich hätte mich gerne auch mal an eine Schulter angelehnt, aber das ist mir leider im Leben nicht passiert. Auch das muss man akzeptieren und darf nicht drüber jammern.



Abendblatt:

In der Mitte Ihres Lebens haben Sie gedacht, Ihre Karriere sei vorbei, dabei haben Sie danach erst den wirklich großen Karrieresprung gemacht. Worauf führen Sie das zurück?

Kubitschek:

Als junge Frau war ich blond, groß und kräftig. Kortner sagte mal, ich sehe so gesund aus, und um das Gretchen zu spielen, würde mir das "chen" fehlen. Ich war immer schon eine Grete, eine gestandene Frau. Kortner war ein großer Psychologe. Ich hatte nur die Spitze meines Fußes auf die Bühne gesetzt, da schrie er schon "Zurück, Provinz!" So hat er mich getrieben, bis ich gemacht habe, was er wollte. Meine Karriere war schwierig. Bis zu meinem 50. Lebensjahr hab ich mich mit Theaterspielen und Fernsehrollen durchgerettet. Dann kamen "Die Guldenburgs" und "Monaco Franze". Zehn Jahre danach hab ich eine gewollte Pause eingelegt. Damals ging mir alles auf die Nerven, was ich machte. Da bin ich von München in die Schweiz an den Bodensee gezogen und hab angefangen, meinen Garten zu bauen. Ich hatte mein Leben lang Existenzangst, aber da merkwürdigerweise nicht.



Abendblatt:

Helmut Dietl hat gelästert, Sie seien aus der Stadt weggezogen, um auf dem Dorf zu meditieren. Er fand Ihren Umzug schlicht spinnert.

Kubitschek:

Ich war im Beruf und in der Stadt nicht mehr glücklich. Ich hatte beruflich viel Erfolg. Wenn ich durch die Stadt ging, haben mich viele Leute angelächelt. Aber ich fand, es könne nicht der Sinn meines Lebens sein, angelächelt zu werden und berühmt zu sein. Ich habe dann angefangen, Bücher zu schreiben. Zur selben Zeit passierte das Unglück in Tschernobyl. Das hat mich erschüttert. Ich empfand damals, dass wir alle mit der Energie der Welt falsch umgehen. Zuerst hab ich Märchen geschrieben, um auf die Natur, die wir zerstören, aufmerksam zu machen. Später hab ich Romane geschrieben.



Abendblatt:

Sie schreiben über Engel und übers Meditieren, Sie glauben an die Kraft der Steine. Finden Sie das alles nicht etwas bizarr?

Kubitschek:

Nein, ich bin ja nicht abgedriftet, und mit Esoterik habe ich überhaupt nichts zu tun. Ich bin ein spiritueller Mensch. Ich glaube, Steine sind nicht leblos. Man sollte den Blick für die Natur nicht verlieren. Aber wer keine Beziehung dazu hat, wem Steine wurscht sind, dem bringen meine Märchen nichts. Ich wollte darauf aufmerksam machen, wie die Erde von unserer Energie versaut wird, aber nicht, weil ich Lesern Engel nahebringen wollte.



Abendblatt:

Schreiben Sie Ihre Bücher für Suchende?

Kubitschek:

Ja. In meinem neuen Buch sage ich, dass der Tod nicht so schlimm ist. Ich glaube an die Inkarnation, daran, dass es weitergeht. In meinem Buch verliert eine Frau ihre Tochter, aber durch ihren Schmerz lernt sie Auswege kennen, die sie vorher nicht gesehen hat. Also, dramatische Ereignisse sind auch dazu da, dass Menschen aufwachen.

 

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