Lounge-Jazz mit den Nighthawks und Experimente mit capri di rote zum Auftakt am 26.10.

Auch die Sängerin Ulita Knaus wird bei "Jazz in Hamburg" im Stellwerk auftreten.
Foto: Bodig
Hamburg. Die Rauchschwaden fehlen. Aber die Luft im Birdland ist trotz des Rauchverbots stickig. Der Kellerklub an der Gärtnerstraße ist fast bis auf den letzten Platz besetzt. Und das nicht nur, weil der Eintritt an diesem Donnerstagabend umsonst ist. Viele der Besucher haben ihre Instrumente dabei und warten darauf, auf die Bühne gehen zu können, um einzusteigen. Es ist der Tag des Nachwuchses und der Jamsessions.
Programm und Karten
Jazz in Hamburg lebt. Zwar in den Nischen und in den kleinen Klubs und nicht in der Color- Line-Arena, aber in die hätte es sehr wahrscheinlich nicht einmal Miles Davis geschafft. Der Musikerverein JazzHaus Hamburg und fünf Hamburger Klubs starten am kommenden Sonntag mit Unterstützung des Abendblattes und der Kulturbehörde die Reihe "Jazz in Hamburg". Bis zum Juli 2009 wird es insgesamt zehn Konzerte geben, in denen ausschließlich Hamburger Ensembles spielen werden. An dieser Reihe sind Fabrik, Stellwerk, Mandarin Kasino, Stage Club und Birdland beteiligt, also Klubs, die ausschließlich auf Jazz-Programm setzen oder häufig Jazzkünstler auf ihrer Bühne zu Gast haben.
Zum Auftakt werden die Nighthawks und die Formation capri di rote am 26. Oktober in der Fabrik spielen. Experimentelle Jazz-Avantgarde trifft hier auf groovenden Lounge-Jazz. "Jazz in Hamburg" zeigt hier bereits programmatischen Mut. Das Quintett capri di rote steht in der Tradition des europäischen Free Jazz, es ist laut und überraschend in seinen Klangfarben und Rhythmen. Sinn für Humor beweist die Band mit Stücktiteln wie "Eine Nacht im Luftschacht" oder "Pferdekostüm aus Technetium". Konzerte mit capri di rote sind ein Heidenspaß, aber erfordern auch offene Ohren.
Die Nighthawks um den Trompeter Reiner Winterschladen und den Multiinstrumentalisten Dal Martino sind mit ihren Sounds weit weniger sperrig und auch ungleich erfolgreicher. Insgesamt fünf Alben hat die Band bereits veröffentlicht, zuletzt erschien bei ihrem Hamburger Label Herzog Records eine Best-of-Zusammenstellung mit dem Titel "Selection". Die Nighthawks spielen Smooth Jazz mit lässigen Grooves, wie gemacht für eine coole Bar. Reiner Winterschladens oft gestopft gespielte Trompete gibt diesen Klängen den nötigen Schuss Melancholie.
Winterschladen, gebürtiger Rheinländer und seit 14 Jahren in Hamburg wohnhaft, zeigt sich im Gespräch mit dem Abendblatt sehr erfreut darüber, dass er mit seiner Band die Reihe "Jazz in Hamburg" eröffnet. "Hamburg braucht so eine Reihe, um neue Jazzhörer zu bekommen. Außer durch die NDR-Bigband ist die Stadt in Sachen Jazz doch etwas unterrepräsentiert." Gleichzeitig gebe es in der Hansestadt eine Reihe sehr talentierter Musiker, die ein größeres Forum verdient hätten, wie etwa den Saxofonisten Gabriel Coburger - in der Reihe übrigens im März mit seinem Quintet Jean-Paul im Stage Club zu erleben.
Auch andere Vertreter der hiesigen Jazz-Szene äußern sich positiv. Konzertveranstalter Karsten Jahnke, selbst großer Jazzfan und Initiator diverser eigener Musikreihen: "Es ist eine hervorragende Idee, auch Hamburger Jazzmusiker in den Mittelpunkt zu stellen." Künstleragentin Eva Maria Thiessen, die eine Reihe von Jazzmusikern vertritt, sagt: "Es gibt ein riesiges Potenzial an herausragenden Jazzmusikern in der Stadt. Leider wird ihnen zum Teil viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Vielleicht kann die Reihe diesen Missstand etwas lindern."
Heiko Langanke, Betreiber im Stellwerk und der Motor hinter der Reihe, hofft ebenfalls auf eine bessere Wahrnehmung der Künstler. "Wichtig war aber auch, dass Klubbesitzer und Musiker sich zusammengetan und gemeinsam dieses Konzept umgesetzt haben. Es herrscht zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder enge Kommunikation in der Szene." Viele der Musiker, die bei "Jazz in Hamburg" dabei sind, haben irgendwann schon einmal zusammengespielt. Meistens donnerstags im Birdland. Bei der Jamsession.












