Beethovens Streichquartette sind so etwas wie der heilige Gral der Kammermusik: kein Easy-Listening für Einsteiger, sondern konzentrierte...

Hamburg. Beethovens Streichquartette sind so etwas wie der heilige Gral der Kammermusik: kein Easy-Listening für Einsteiger, sondern konzentrierte Kenner-Kost. Schon zu Lebzeiten des Komponisten umwehte die Werke der Mythos der Unnahbarkeit - denn insbesondere mit den mittleren und erst recht in seinen späten Quartetten hat der damals bereits ertaubte Komponist seinem Publikum so manches Hör-Rätsel aufgegeben: Da gibt es drastische Stimmungswechsel, abrupte Brüche, subkutane Verknüpfungen und rücksichtslos hohe Anforderungen an die Musiker: "Was schert mich seine elende Geige, wenn mich der Geist ankommt?", soll Beethoven den armen Violinisten Schuppanzigh angeschnauzt haben, als der über eine unspielbare Stelle klagte.

Die Visionen in seinem genialen (Quer-)Kopf waren so stark und so klar, dass er sich nicht von den realen technischen Schwierigkeiten der Interpreten einschränken lassen wollte - mir doch wurscht, wie ihr das hinkriegt! Doch neben dieser störrischen, mitunter gewaltsamen Seite haben die Werke auch ganz andere Seiten: Eine stellenweise schon orchestral anmutende Klangfülle, die die Grenzen der Kammermusik überschreitet oder auch ganz zarte, innige Momente von jenseitiger Schönheit.

Dieser riesige Facettenreichtum und ihre Vielfalt vollkommen unterschiedlicher musikalischer Charaktere haben Beethovens Quartetten eine Sonderrolle beschert: Kaum ein professionelles Ensemble kommt an ihnen vorbei; nicht einmal dann, wenn es auf Neue Musik spezialisiert ist.

Aus Anlass des zehnten Jubiläums seiner Kammermusikreihe hat der Hamburger Konzerveranstalter, Cellist und Professor Niklas Schmidt dem beethovenschen Quartettschaffen einen eigenen, dicht gedrängten Zyklus gewidmet: Alle 16 (oder, wenn man die berühmte "Große Fuge" gesondert zählt, 17) Streichquartette sind zu Beginn der Saison innerhalb von zehn Tagen an sechs Abenden zu hören. Ein ehrgeiziges, faszinierendes Projekt, das so in Hamburg noch nicht zu erleben war und von einem einzigen Ensemble gestemmt wird. Das Kölner Auryn Quartett - durch seine kürzlich abgeschlossene Beethoven-Gesamtaufnahme bestens mit den Werken vertraut - hat die Herausforderung angenommen und geht mit dem Komponisten in Klausur.

Ergänzt werden die Konzerte durch Vorträge, die aber nicht als klassische Einführungen angelegt sind. Den Zugang zum Gral muss sich jeder selbst verschaffen. Das Geheimrezept heißt wohl: zuhören und eintauchen. Taub stellen gilt nicht.stä