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Kultur & Live

Finn. im Pestkeller

Beseelt im Halbdunkel träumen

Es gleicht einer Andacht, wie sich in einem mittelalterlichen Kirchengemäuer die zärtliche Musik des Hamburger Musikers finn. entfaltet und zwischen...

Hamburg. Es gleicht einer Andacht, wie sich in einem mittelalterlichen Kirchengemäuer die zärtliche Musik des Hamburger Musikers finn. entfaltet und zwischen den Säulen in die Ohren der Gäste schleicht. Nur manchmal wird es laut, als wolle die Musik ausbrechen, als kämpfe da etwas. Am Donnerstag hat Patrick Zimmer alias finn. bei einem Gala-Abend sein neues Album "The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own" live vorgestellt. Es ist der richtige Ort dazu, denn in diesen feierlichen Mauern ist seine dritte Platte entstanden.

Feierlichkeit und Romantik allein machen diesen Ort allerdings nicht aus: Eine morsche Holztreppe führt fünf Meter unter die Hamburger Erde. Das kalte Gemäuer hat hundertfach den Tod gesehen: Im Keller des ehemaligen Pesthofs mitten auf St. Pauli wurden die Pestkranken der Stadt gebracht. Heute ist das Gewölbe in der Clemens-Schultz-Straße unter der Bar Zoë dabei, Hamburgs düsterste und interessanteste "Untergrund"-Location zu werden.

Die besondere Stimmung des weitverzweigten Gewölbes, mit hinter schwarzen Vorhängen versteckten Räumen, spiegelt sich deutlich auf "The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own". Es ist ein Konzeptalbum im Stile griechischer Tragödien. In fünf Akten geht es um die großen Themen der Menschheitsgeschichte: Liebe und Tod, Hochmut und Fall. Mit jedem Ton atmet dieses intime Stück Musik die tief in den Stein geschlagene Melancholie der dunklen Jahrhunderte.

Ein schweres Atmen ist es auch, das die Platte eröffnet. Zimmers Stimme bewegt sich in entrückten Höhen, scheint aus Fantasiewelten in die Rotwein-berauschte Wirklichkeit zu fließen und verbindet sich mit der sphärischen Musik zu eskapistischen Klangträumen. Begleitet wird finn. von einem Orchester aus Pauken, Tusch, Kontrabass, Geigen und Posaunen, das die Irrwege des Lebens in seiner Laut-Leise-Dynamik einfängt.

Doch vor allem wenn der in Hemd, Weste und Kniebundhose gekleidete Zimmer alleine mit seiner mit Klebeband ummantelten Gitarre spielt, erkennt sich das Publikum selbst darin. Dann darf man sich Melancholiker als glückliche Menschen vorstellen.


finn. - "The Best Low-Priced Heartbreakers You Can Own" (PIAS); live: 25.9., Reeperbahn Festival; Interview und Akustiksession ab 9.9. unter www.abendblatt.de/podcastditt

 

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