02.09.08

Peter Maffay: Im Norden Mallorcas hat sich der Rockstar auf seiner Finca einen Lebenstraum erfüllt

Der gute Mensch von Pollenca

Sein Biobauernhof auf der Balearen-Insel gibt schon 20 Menschen Arbeit. Und seine Stiftung versucht dort, traumatisierten Kindern den Weg zurück in ein normales Leben zu ebnen.

Pollenca/Mallorca. Der Hausherr gießt Blumen. Nur mit einer knielangen Camouflage-Shorts und kurzen Stiefeln bekleidet, kniet er in der sengenden Sonne vor einer pittoresken kleinen Kapelle und bewahrt die Blumen, die um ein steinernes Kreuz gepflanzt sind, vor dem Vertrocknen. Andere Leute halten sich für diese kleinen Dinge einen Gärtner, Peter Maffay besorgt sie selbst. Die Kapelle hat er selbst errichtet und von einem Priester weihen lassen. "Fincas, die so groß sind wie unsere, hatten immer eine kleine Kapelle entweder im Haus oder auf dem Gelände, sodass die Familie und die Arbeiter einen Ort zum Beten hatten", erklärt er später. Sein Sohn ist hier getauft worden, die Urne seiner Mutter hat hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, Maffay selbst kommt mit seiner Familie oft her, um hier zu beten.

"Can Sureda", so heißt sein 125 Hektar großer Besitz im Norden von Mallorca, ist kein Domizil, auf dem ein reicher Rockstar sich vor der Welt abschottet, sondern ein florierender Agrarbetrieb. Fast 20 Arbeiter und Angestellte arbeiten hier, machen aus der Milch der Ziegen und Schafe Käse, bauen Obst, Gemüse und neuerdings Wein an. In der Bäckerei werden pro Woche etwa 150 Brote nach deutschem Rezept gebacken, von denen ein nahe gelegenes Kloster allein 50 kauft.

Der verschlungene Weg von der im Tal gelegenen Kapelle führt hügelaufwärts zum Haupthaus der Finca und einigen Nebengebäuden. In der ehemaligen Schmiede hat Peter Maffay ein Tonstudio eingerichtet. Kreativzelle für seine musikalischen Ideen und auch der Ursprungsort für sein aktuelles Album "Ewig". Hier haben sich die Musiker seiner Band im vergangenen Sommer zum ersten Mal versammelt, um zu spielen und Songideen auszuarbeiten. "Die Atmosphäre ist hier entspannt, das technische Equipment ausreichend, sodass wir Aufnahmen machen können, die wir später benutzen. Wir haben versucht, live im Studio zu arbeiten und den Moment zu nutzen", erläutert Maffay.

Beim Gespräch über das neue Album werden der sehr schmackhafte Käse und das Brot aus eigener Herstellung gereicht, Maffay strahlt angesichts des Lobes über diese Agrarprodukte, die jeden Sonntag auf dem Markt in Pollenca feilgeboten werden. Zweimal in der Woche ist auch der Hofladen auf "Can Sureda" geöffnet, Einheimische und Touristen können dann die Bioprodukte einkaufen. Peter Maffay steckt nicht nur viel Energie, sondern auch einiges von dem, was er als Musiker verdient, in die landwirtschaftliche Produktion. "Wir versuchen jetzt mit anderen Produzenten von den Balearen eine Kooperative zu bilden und unter einer gemeinsamen Marke unsere Produkte nicht nur regional zu verkaufen, sondern auch einen Handelspartner in Deutschland zu finden, der Interesse an biologisch einwandfreien Produkten hat", erklärt Maffay. Mit den Erlösen könnten weitere Ferienaufenthalte traumatisierter oder missbrauchter Kinder finanziert werden.

Wenn er von der Arbeit auf der Finca erzählt, blitzen die braunen Augen. Maffay ist eine nie versiegende Energiequelle, ein Macher, der immer neue Herausforderungen sucht, dabei aber sehr strukturiert vorgeht. Alles hat seinen Plan. Mit seiner Plattenfirma SonyBMG hat er bis zum Jahr 2012 festgelegt, was an Projekten umgesetzt wird. Nach der Veröffentlichung von "Ewig" und den daran anschließenden Tourneen kommt ein neues "Tabaluga"-Musical einschließlich Tournee, "Tabaluga und Lili" soll noch mal neu aufgelegt werden, dann folgt die nächste Platte. "Aber es wird nicht leicht sein, die Schraube zurückzudrehen", sagt er. "Auf Musik werde ich auf keinen Fall verzichten, das wäre so, als ob man ein Glas auf den Tisch stellen, aber kein Wasser hineinfüllen würde."

Wer den 59 Jahre alten Musiker in diesem Idyll im Norden Mallorcas beobachtet, dem wird klar: Hier ist ein Mensch zu Hause, der offensichtlich sein Glück gefunden hat. Das mag einer der Gründe sein, warum die Texte auf Maffays Alben so positiv, lebensbejahend und hin und wieder ein wenig pathetisch klingen. Als könne er selbst nicht fassen, dass ihm dieses Stück Land eine schöne Frau, einen quicklebendigen Sohn und "seine Leute" geschenkt hat, die für ihn arbeiten und seine Vertrauten sind.

"Niemand kann dir nehmen, was du bist / weil deine Kraft in dir unendlich ist / Der Mensch auf den du wartest, der bist du, nur du, nur du", heißt es in "Der Mensch, auf den du wartest". "Du stehst nicht im Dunkeln hier / du bist nicht allein / Ein Funke Hoffnung brennt in dir / Er kann ein Anfang sein / Ist die Flamme noch so klein" , singt Maffay in "In dir ist immer noch ein Licht". Es sind Texte, die Mut machen sollen. "Von der Kraft, die ich habe, muss ich etwas an andere zurückgeben. Aber ich meine damit auch mich selber. Vielleicht kann meine Haltung für andere Menschen eine Hilfe sein", sagt er. Die Zielgruppe seiner Musik, so formuliert es Maffay auf Englisch, sei "not young and not beautiful" - nicht jung und nicht schön.

Diese Haltung zeigt sich in Maffays sozialem Engagement. Die "Peter Maffay Stiftung", die ihren Sitz in Pollenca hat, ermöglicht pro Jahr etwa 250 traumatisierten Kindern, ein bis zwei Wochen nach Mallorca zu kommen, auf "Can Sureda" zu leben und vielleicht zum ersten Mal eine Ziege zu streicheln oder zu sehen, dass Zitronen tatsächlich auf Bäumen wachsen. Peter Maffay putzt für dieses Projekt immer wieder Klinken. Die Bundeskanzlerin, Ministerpräsidenten und Wirtschaftsbosse empfangen ihn, meist kehrt er mit Spendenschecks zurück. Denn den Rockmusiker umgibt schon lange der Nimbus eines Wohltäters. "Wir haben bei dieser Arbeit für die Stiftung auch negative Erfahrungen gemacht und Ablehnungen erhalten, aber das muss man schnell hinter sich lassen und weitermachen", sagt er.

Neben der Arbeit an "Ewig" und den Vorbereitungen auf die geplanten Tourneen hat der 1949 in Kronstadt in Rumänien geborene Musiker im Sommer ein weiteres soziales Projekt in Angriff genommen: "In Transsylvanien, also meiner ursprünglichen Heimat, wollen wir im Schatten einer alten Kirchenburg unter dem Motto 'Schutzraum für Kinder' ein Ferienlager für traumatisierte Kinder eröffnen, analog zu unserer Finca hier auf Mallorca."

Maffay kann sich noch gut an eine andere Zeit erinnern, als er mit seiner Familie in Rumänien unter einem bolschewistischen Regime lebte, für das die Deutschen in Siebenbürgen Menschen zweiter Klasse waren. Im vergangenen Jahr hat er zusammen mit seinem Vater die frühere Heimat besucht, die er als 14-Jähriger verlassen hatte. "Wenn jetzt deutsche Kinder nach Transsylvanien kommen und rumänische nach Spanien, dann können wir vielleicht auch noch dazu beitragen, dass es eine kulturelle Annäherung gibt", sagt Maffay.

Auf Mallorca zeigt sich der 59-Jährige von seiner gelassenen Seite. Keine Frage ist ihm zu viel, er ist ein charmanter Gastgeber und präsentiert nicht ohne Stolz seine Finca, das dortige Studio und das schmucke Stiftungshaus in Pollenca, zu dem auch noch ein verpachtetes Restaurant gehört. Und er macht keinen Hehl daraus, dass er wieder darauf brennt, auf Tournee zu gehen. Zum Proben trifft er sich mit seiner Band in den eigenen Red Rooster Studios in Tutzing, wo "Ewig" überwiegend aufgenommen wurde, und probt für die Klubtour. In Hamburg stellt Maffay die Songs von "Ewig" heute im ausverkauften Docks vor. Im kommenden Jahr folgen 54 Hallenkonzerte.

"Da haben wir 54-mal die Gelegenheit, alles rauszulassen". Nicht selten dauern seine Konzerte bis zu drei Stunden. Songs hat er genug und Energie noch viel mehr. Den Fuß vom Gas zu nehmen, das bekommt der passionierte Harley-Fahrer noch nicht hin.


Klubkonzert im Docks , heute 20 Uhr, ausverkauft

Hallenkonzerte im CCH 1, 30.3.2009 ausverkauft; 31.3. Restkarten 59,-, 1.4. Karten ab 47,-

Open-Air-Konzert Freiluftbühne Bad Segeberg, 22.5.2009, Karten ab 51 Euro

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