Kritiker Werner Burkhardt gestorben
"Wieder einmal hat der liebe Gott, wie schon bei Wagner und Karajan, in einem Anfall von Zerstreutheit eine große Begabung an ein großes Arschloch...
Hamburg. "Wieder einmal hat der liebe Gott, wie schon bei Wagner und Karajan, in einem Anfall von Zerstreutheit eine große Begabung an ein großes Arschloch vergeben." Ganz ehrlich: Für Sätze wie diesen über Miles Davis musste man ihn erst beneiden und dann bewundern. Er wurde gern gelesen oder im Radio gehört, man hat ihn - keineswegs selbstverständlich im Kulturbetrieb - mehr als pflichtgemäß registriert oder bei verdient drohenden Verrissen gefürchtet. Er wurde respektiert.
Der 1928 geborene Hamburger Journalist Werner Burkhardt gehörte jahrzehntelang unverzichtbar zum Hamburger Kulturleben - und zum niveauvollen Nachdenken darüber erst recht. Er kannte sich aus. Im Theater, in der Oper, im Jazz und im Blues. Bei Mozart war er genauso sattelfest wie bei den Stones, einen guten Shakespeare genoss er ebenso wie ein Keith-Jarrett-Konzert. Ein Universal-Kritiker, der immer wieder Neues brauchte, um die Sehnsucht nach Schönem, Gutem, Wahrem zu befriedigen.
Seine Karriere begann 1952 bei der "Welt". Die Premiere: 16 Zeilen über Count Basie. Danach ging's bergauf für den jungen Mann aus dem Grindelviertel, dessen Eltern dort eine chemische Reinigung hatten und das mit dem Journalismus "gelassen" aufnahmen, wie er sich später erinnerte. Er arbeitete für den Hörfunk und übersetzte Herzensangelegenheiten wie "Lady Sings the Blues", die Autobiografie von Billie Holiday. Seit 1970 war er als Hamburger Kulturkorrespondent eine der feinsten Federn, die das Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung" zierten.
Vor zehn Jahren wurde Burkhardt vom Hamburger Senat anlässlich seines 70. Geburtstags für seine publizistische Arbeit mit der Biermann-Ratjen-Medaille geehrt. Damals hatte er einen großen Teil seiner immensen Plattensammlung dem Musikwissenschaftlichen Institut der Uni Hamburg geschenkt, als Lehrmaterial für Jüngere. Als Köder, um so neugierig zu machen, wie er es zeitlebens war und blieb. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Werner Burkhardt vor einigen Tagen im Alter von 80 Jahren verstorben.















