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Kultur & Live

Film: Eine neue Rolle für den dänischen Kinostar Mads Mikkelsen

Was Krieg aus Menschen macht

In "Tage des Zorns" spielt er einen Widerstandskämpfer - und präsentiert sich im Gespräch als nachdenklicher Zeitgenosse.

Hamburg. Die Dänen wussten schon lange, was sie an ihm hatten - schon bevor er im James-Bond-Film "Casino Royale" den Schurken Le Chiffre spielte. Besonders die Frauen. Sie wählten Mads Mikkelsen zum "sexiest man alive". Bei unseren Nachbarn hatte er schon durch die Drogendealer-Trilogie "Pusher" und den Dogma-Film "Open Hearts" für Aufsehen gesorgt. Zuletzt konnte man ihn hier unter der Regie seiner Landsfrau Susanne Bier im Psychodrama "Nach der Hochzeit" sehen; zudem posierte er mit lässiger Eleganz auf den Plakaten einer schwedischen Modekette. In "Tage des Zorns" spielt er jetzt einen Widerstandskämpfer im von Deutschen besetzten Kopenhagen 1944. Mit seinem Freund macht er Jagd auf Kollaborateure, die sie ermorden.


Abendblatt:

Die Helden dieser Geschichte sind die Widerstandskämpfer mit den Spitznamen Flame und Citron. Kennt die in Dänemark jeder?

Mads Mikkelsen:

: Ich hatte von ihnen gehört. Der Generation unserer Kinder sind sie unbekannt. Bekannter ist die Geschichte anderer Widerstandskämpfer, die nach Grönland gegangen sind. Aber diese hier haben den Gang der Geschichte womöglich mehr verändert. Aber es ist sehr interessant, dass die jungen Leute diese Dinge wieder in den Schulen diskutieren.



Abendblatt:

Inwiefern ist die deutsche Besetzung Dänemarks heute noch ein Thema?

Mikkelsen:

Wie in vielen anderen Ländern ist das auch bei uns ein schwarzes Loch. Nicht nur, weil wir besetzt waren, sondern unser Umgang damit. Es gab während des Krieges ungefähr 900 Widerstandskämpfer, aber 7000 Dänen kämpften für die Deutschen in Russland. Die Widerständler waren nicht beliebt. Sie verursachten Ärger und Chaos, bei den Deutschen war alles so gut organisiert. Das ist ein Teil unserer Geschichte, auf den wir nicht so stolz sind.



Abendblatt:

Wenn in Deutschland solche Filme ins Kino kommen, stöhnen viele: nicht schon wieder.

Mikkelsen:

Andere Länder haben in dieser Hinsicht sehr viel gemacht. Bei uns gab es nur zwei oder drei Filme gleich nach Kriegsende. Da waren die Widerstandskämpfer alle nette Leute, die Fahrrad fuhren, die nie etwas Falsches machten, und überall waren Nazis. Eine Nation braucht Geschichte als Heldengeschichte. Wir haben versucht, das etwas anders zu erzählen. Es ist nicht unsere Aufgabe zu sagen, sie waren im Recht oder nicht. Es geht vielmehr darum zu zeigen, was macht der Krieg aus den Menschen. Das war auf der deutschen Seite doch auch so.



Abendblatt:

Kann ein Film einem Land helfen, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen?

Mikkelsen:

Ja. Nicht allein, aber er kann ein Teil davon sein. Dieser Film hat in Dänemark eine Menge in Bewegung gesetzt.



"Tage des Zorns" feiert am 26. August Deutschlandpremiere in Flensburg mit Mikkelsen, den Filmemachern und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Kinostart ist am 28. August.

 

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