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Kultur & Live

Kaltstart-Festival: "Kasimir und Karoline"

Kurzes Porträt einer Generation

Es geht kaum bunter. Das KALTSTART-Festival scheint mit 70 verschiedenen Programmpunkten an elf Tagen schier überzuborden vor Spielfreude, Ideen und Kreativität.

Hamburg. Neben Produktionen junger Künstler aus so etablierten Häusern wie dem schauspielhannover oder dem Schauspielhaus Graz hat auch die Off-Off-Szene eine Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren. Und gerade hier gibt es manchmal wahre Schätze zu entdecken.

Einer davon heißt "Kasimir und Karoline", eine Werkstatt-Inszenierung nach Ödön von Horvath. Der erst 25-jährige Hamburger Regisseur Felix Pace hat den Text ebenso radikal wie klug zusammengestrichen, Dialogpartien zum Teil umverteilt und sich ganz und gar auf die beiden Protagonisten konzentriert. Da gibt es kein Oktoberfest. Es gibt nur Kasimir (Philipp Stange) und Karoline (Julia Goldberg), zwei blutjunge Menschen, die nicht mehr miteinander reden können.

Jeder scheint in seiner Welt versunken, wenn sie abgewandt voneinander da stehen. Sie sprechen über ihre Liebe, ihre Trennung, ihre Träume und sind darauf bedacht, nicht das Gesicht zu verlieren. Pace lässt seine Darsteller auf einer Plane mit Eiswürfeln agieren. Damit greift er nicht nur den Aspekt der vorgespielten Kälte auf, sondern bietet den Figuren auch neue Spielmöglichkeiten für die Momente, in denen das Licht wechselt und sie ganz für sich ihre Zerrissenheit und Verzweiflung zeigen können. Dann stürzen sie auf dem gefährlichen Boden oder drohen an den Eiswürfeln zu ersticken. Dazu singt Elvis Costello "I want you" - wie einer, der weiß, was in ihren Köpfen vorgeht.

Nur 20 Minuten braucht die Inszenierung, um eine ganze Generation zu porträtieren. Mögen sich genügend Theaterverantwortliche zum KALTSTART-Festival begeben, um junge Wilde wie Pace zu entdecken und ihre Impulse aufzunehmen.sus

 

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