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Kultur & Live

100 Jahre Laeiszhalle: Das historische Jubiläum in der Diskussion: Hätte man mehr daraus machen sollen? Hat Hamburg eine wichtige Chance verspielt?

Weltmusikmetropole Hamburg? Ein Streitgespräch

Am 14. und 15. Juni wurde der 100. Geburtstag der Laeiszhalle gefeiert. Mit einem Konzertprogramm und einem Open-Air-Fest. Das Abendblatt kritisierte die Feiern heftig: nur wenige Highlights, teilweise provinziell.

Hamburg. Kritik aus der Überzeugung heraus, eine Musikstadt, die in der Welt-Liga mitspielen will, hätte diesen Anspruch gerade hier selbstbewusster und einfallsreicher anmelden müssen. Ganz falsch, wehrt sich Laeiszhallen-Chef Gereon Röckrath. Grund genug für ein Streitgespräch mit Abendblatt-Kulturchef Hans-Juergen Fink.


Abendblatt:

Hamburg hat den Aufbruch zur Musikstadt verkündet und baut die Elbphilharmonie. Dann feiert das weltweit angesehene Konzerthaus, das wir seit einhundert Jahren haben, sein Jubiläum, aber weder Kultursenatorin noch Bürgermeister kommen zum Festkonzert. Macht Sie das als Veranstalter nicht traurig?

Gereon Röckrath:

Es gab unglückliche Terminkollisionen, die verhindert haben, dass der Bürgermeister der Stadt anwesend war. Frau von Welck war ja dann am Sonntagabend bei dem Konzert der Hamburger Symphoniker. Und der Senat war am Vormittag vertreten durch die Wissenschaftssenatorin.



Abendblatt:

Trotzdem ungewöhnlich, denn so unvorhersehbar kam das Jubiläum ja nicht. Sie haben die Feierlichkeiten ausgerichtet und dafür Kritik einstecken müssen: unspektakulär, ohne überregional wahrnehmbare Highlights, vertane Chance.

Röckrath:

Da machen Sie die Rechnung ohne das Publikum. Wir haben 6000 Besucher gezählt bei unseren drei Konzerten im Großen Saal, wir hatten fast 2000 Besucher open air, ein fantastisches Projekt mit 170 Schülern - für unser Publikum und für uns war das ein Fest, das sehr erfolgreich war.



Abendblatt:

Die großen Konzerte, hätten sowieso stattgefunden - mit Ausnahme des NDR-Konzerts und des Kinder-Projekts. Dieses Publikum hätten Sie ohnehin gehabt.

Röckrath:

Es war für uns selbstverständlich, dass wir zum Jubiläum die großartigen musikalischen Kräfte einladen, die Hamburg besitzt: die Philharmoniker, das NDR-Sinfonieorchester und die Symphoniker.



Abendblatt:

Trotzdem war den überregionalen Tageszeitungen das Laeiszhallen-Jubiläum allenfalls kurze Notizen wert. Wäre diese 100-Jahr-Feier nicht ein Muss-Anlass gewesen, mit dem man über die Stadtgrenzen hinaus zeigt, wo man in den elbphilharmonischen Jahren hinwill?

Röckrath:

Ein 100-Jahre-Jubiläum der Laeiszhalle ist zuallererst ein städtisches und norddeutsches Ereignis. Die Laeiszhalle ist der Ort, mit dem Generationen von Hamburger Bürgern ihre prägenden Musikerlebnisse verbinden; deshalb ein Fest der Stadt mit den musikalischen Spitzenkräften der Stadt. Zudem sind wir bewusst nach draußen vor die Halle gegangen, weil wir ganz Hamburg einladen wollten. Der Erfolg war so groß, dass wir uns überlegen, solche Veranstaltungen jährlich zu wiederholen.



Abendblatt:

Es ist aber nicht nur der Konzertsaal der Philharmoniker und des NDR, es ist auch der Konzertsaal von Menuhin, Horowitz, der Callas und von jedem Großen, der in Hamburg aufgetreten ist. Da hätte man doch zum 100. Geburtstag schon mal den einen und anderen Weltstar einladen können, um nicht nur Hamburg, sondern auch das musikalische Deutschland, vielleicht auch schon mal probeweise über die Grenzen hinaus Menschen dafür zu interessieren, dass in Hamburg ein Aufbruch passiert.

Röckrath:

Weltstars spielen in der Laeiszhalle sowieso. Wir werden demnächst Villazón und Renee Fleming in den m-Konzerten präsentieren. Nein. Selbst wenn wir noch mehr Mittel für das Jubiläum zur Verfügung gehabt hätten - wir wären dieser Programmidee treu geblieben. An einem solchen Tag Künstler von außen einzuladen wäre ein falsches Signal in die Stadt hinein gewesen. Das NDR-Sinfonieorchester gastiert in der ganzen Welt, und über das internationale Renommee von Simone Young, Christoph von Dohnanyi und Andrej Boreyko sind wir sicherlich einer Meinung. Wo ist also das Problem?



Abendblatt:

Es wurde ja noch anderes bemängelt: zum Beispiel, dass das Haus zum Jubiläum nicht für alle geöffnet war.

Röckrath:

Völlig zu Unrecht. Obwohl wir am Samstag von morgens bis abends Proben im Saal hatten, haben wir trotzdem halbstündlich - und nicht, wie das Abendblatt berichtete, stündlich - Führungen zur Jubiläumsausstellung gemacht.



Abendblatt:

Stündliche Führungen - das wurde uns von einer Ihrer Angestellten am Eingang erzählt. Bei einer anderen Zeitung entstand sogar der Eindruck, dass die Halle für Nicht-Konzertbesucher überhaupt nicht geöffnet sei. Im Übrigen reden wir hier über den Unterschied zwischen sieben und vier Führungen.

Röckrath:

Auf Plakaten stand es richtig, und daran hat sich jedenfalls unser Publikum orientiert. Die Führungen waren auch sehr stark nachgefragt. Für uns war es außerordentlich wichtig, dem Publikum an diesem Tag Zugang zum Haus zu verschaffen. Ich kann also nur bedauern, dass Sie da vielleicht eine falsche Auskunft erhalten haben.



Abendblatt:

Ich habe den Eindruck, dass die Kritik an dem Jubiläum Sie erheblich geschmerzt hat.

Röckrath:

Ja, natürlich. Zum Beispiel, dass das Abendblatt schreibt, dass ich es nicht für nötig halte, bei der Gestaltung des Open-Air-Programms die Hamburger Symphoniker einzubeziehen. Wir hatten Herrn Boreyko selbstverständlich schriftlich eingeladen, als Talkgast auf der Bühne teilzunehmen. Er hat abgesagt.



Abendblatt:

Aber so wichtig waren Ihnen die Symphoniker - immerhin das zukünftige Residenzorchester Ihres Hauses - dann doch nicht, dass man dort noch mal nachgefragt hätte?

Röckrath:

Wir können nicht mehr tun als eine Einladung aussprechen.



Abendblatt:

Gerade nach der Eröffnungsverschiebung beim Elbphilharmonie-Bau: Müsste die Musikstadt nicht ein gesteigertes Interesse daran haben, die Begeisterung für den musikalischen Aufbruch anzufachen, am Brennen zu halten, zu vergrößern? Was wollen Sie da unternehmen?

Röckrath:

Wir haben spürbare Erfolge. Wir bereiten ja gerade die Saison 2008/09 für die m-Konzerte vor. Ich habe vor zwei Jahren das Abonnement eingeführt. Vier Monate vor dem Start der Konzertsaison 2008/2009 sind wir bereits bei 660 Abonnenten.



Abendblatt:

Schauen wir mal nach vorn. Ist denn die Unterstützung durch die Stadt für das, was Sie vorhaben, so substanziell, wie Sie sich das wünschen und wie es die Sache erfordert?

Röckrath:

Mit der Gründung der Hamburg Musik GmbH hat eine neue Entwicklung begonnen. Es gibt jetzt eine eigene Betreibergesellschaft für Elbphilharmonie und Laeiszhalle, die künstlerische Programme gestalten und dafür ein entsprechendes Marketing betreiben soll. Wir sind jetzt ein Veranstalter, der mit attraktiven Konzertprogrammen und einer entsprechenden finanziellen Ausstattung in der Stadt auf sich und seine Programme aufmerksam machen kann.



Abendblatt:

Eine Frage noch: Die Eröffnung der Elbphilharmonie ist derzeit für 2011 im Herbst geplant. Wissen Sie denn schon, ob der Bürgermeister und die Kultursenatorin kommen?

Röckrath:

Der Erste Bürgermeister und die Kultursenatorin werden sicher in Begleitung des Bundespräsidenten kommen.



Abendblatt:

Da wünschen wir viel Glück.

 

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